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Lübeck

09. Dezember 2016 | 06:58 Uhr

Prozess in Lübeck : Gericht schickt Angeklagten nach Messerstecherei in Psychiatrie

vom

Ein Rentner sticht im Wahn einen vermeintlichen Nebenbuhler nieder. Das Opfer überlebt schwer verletzt.

Lübeck | Im Prozess um eine lebensgefährliche Messerattacke hat das Lübecker Landgericht den Angeklagten freigesprochen, ihn aber in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Der inzwischen 76-Jährige leide unter einer wahnhaften Störung und stelle deshalb eine Gefahr für das Opfer und auch die Allgemeinheit dar, sagte der Vorsitzende am Montag.

Der Angeklagte hatte im März einen heute 74-Jährigen vor einer Bar in Lübeck niedergestochen. Er war in dem Wahn befangen, seine damalige Ehefrau habe Jahre zuvor ein Verhältnis mit dem Opfer gehabt.  Zunächst habe es so ausgesehen, als ob der Angeklagte sein Opfer habe töten wollen, um die Ehre seiner Familie wiederherzustellen, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung.

Doch anders als in seinem schriftlichen Gutachten sei der psychiatrische Sachverständige vor Gericht zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Seitensprung nur in der wahnhaften Vorstellung des heute 76-Jährigen stattgefunden habe, sagt der Richter.

Aus diesem Wahn heraus hatte der Angeklagte seinem vermeintlichen Nebenbuhler aufgelauert. Mit einem Messer mit elf Zentimeter langer Klinge stach er sechsmal auf Kopf, Hals und Körper seines Opfers ein.

Der Mann konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden und leidet bis heute unter den körperlichen Folgen des Angriffs. Der Angeklagte muss dem Opfer deshalb ein Schmerzensgeld von 30.400 Euro zahlen.

Die Anklage lautete zunächst auf versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. In seinem mündlichen Gutachten kam der psychiatrische Gutachter jedoch zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte im Wahn handelte und deshalb seine Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit erheblich eingeschränkt war. Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung hatten deshalb auf Freispruch plädiert.

Diesem Antrag folgte das Gericht mit seinem Urteil. Da der Angeklagte nach Aussagen des Sachverständigen für das Opfer und möglicherweise auch für die Allgemeinheit noch immer gefährlich ist, wies das Gericht den Angeklagten unmittelbar nach der Verkündung des Urteils in eine psychiatrische Klinik ein. 

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erstellt am 14.Nov.2016 | 15:54 Uhr

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