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Lübeck

03. Dezember 2016 | 18:51 Uhr

Lübeck : Eine Ära geht zu Ende: Dräger produziert letzte Alcotest-Röhrchen

vom

Als Dräger die Alcotest-Röhrchen 1953 erfand, waren sie die Sensation. Sie zeigten schnell und unkompliziert, ob ein Autofahrer Alkohol getrunken hatte oder nicht. Nach 63 Jahren haben die Röhrchen nun ausgedient.

Lübeck | Beim Medizintechnik-Hersteller Dräger in Lübeck geht am Mittwoch eine Ära zu Ende. Nach 63 Jahren wird bei der Sicherheitstechnik-Tochter Dräger Safety die letzte Charge der berühmten Alcotest-Röhrchen produziert. Seit 1953 dienten die Röhrchen Polizisten in vielen Ländern als Schnelltest, um festzustellen, ob ein Autofahrer Alkohol getrunken hat. Inzwischen hätten sich jedoch weltweit Geräte mit elektrochemischen Sensoren durchgesetzt, so dass es für die Röhrchen keinen Markt mehr gebe, sagte ein Firmensprecher. Seit 1953 wurden in Lübeck mehr als 30 Millionen Alcotest-Röhrchen produziert.

Die Erfindung aus Lübeck hat deutsche Autofahrer geprägt. Der Ausdruck „ins Röhrchen pusten“ als Synonym für die Aufforderung zum Atemalkoholtest durch die Polizei hält sich bis heute.

Zuletzt hatte den Angaben zufolge nur noch die Polizei von Sri Lanka im großen Stil die Teströhrchen geordert. Jetzt haben auch die Behörden des Inselstaates auf die modernen und viel genaueren Geräte umgestellt. Ende 2016 werde der Verkauf der Pusteröhrchen endgültig eingestellt, sagte der Sprecher. So lange werden die rund 12.000 Stück der letzten Charge voraussichtlich reichen.

Im wahrsten Sinne: Eine Schnaps-Idee

Seine Entstehung verdankt der Röhrchen-Test einem feucht-fröhlichen Betriebsfest - oder genauer: der Fahne am Morgen danach. Was mit Kohlenmonoxid in den Messröhrchen für Bergwerke und Industrieanlagen funktioniert, müsste doch auch mit Alkoholdünsten in der Atemluft klappen, dachten sich einige Ingenieure. Und so mischten sie Schwefelsäure und gelbes Kaliumdichromat, das sich beim Kontakt mit dem im Trinkalkohol enthaltenen Ethanol grün verfärbt. Der „Dräger Alcotest“ war geboren.

Die erste Testgeneration bestand aus einem gläsernen Röhrchen mit den Testsubstanzen und einem Volumenbeutel, der genau einen Liter Atemluft fasste. Je nach Intensität und Ausdehnung der Verfärbung ließen die Teströhrchen Rückschlüsse auf den Grad der Atemalkoholkonzentration zu. Ein Strich auf dem Röhrchen markierte den Grenzwert von damals 0,8 Promille. Lag der Proband darüber, war eine Blutprobe fällig. Genauere Werte lieferte der Alcotest nicht.  Inzwischen sind die „Pusteröhrchen“ von kompakten Messgeräten mit Digitalanzeige abgelöst worden, auf denen der Promillewert auf zwei Stellen hinter dem Komma abgelesen werden kann. Seit 1990 arbeiten sie mit elektrochemischen Messverfahren.

 

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erstellt am 10.Feb.2016 | 08:36 Uhr

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