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Lübeck

25. Juli 2016 | 00:19 Uhr

Nach Eröffnung im Mai : Deutliche Kritik am Hansemuseum in Lübeck

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Guter Besucherzuspruch, aber immer mehr Kritiker. Die häufigsten Klagen: zu viel Text, zu wenig Kontext, zu wenig Licht.

Die Zahlen klingen prächtig: Ende Mai eröffnet, steuert das Europäische Hansemuseum zum Jahresende auf 100.000 Besucher zu. Der Museumskomplex hat Zugkraft, auch international. Gleichwohl ist an der Trave der erste Rausch nach der Eröffnung mit Bundeskanzlerin verflogen. Kritiker melden sich zu Wort, die häufigsten Klagen: zu viel Text, zu wenig Kontext, viel zu wenig Licht und gar nichts für Kinder und Jugendliche.

Das nach dreijähriger Bauzeit vollendete Museum zeigt seit Mai die Entwicklung der Hanse zur wirtschaftlichen und politischen Macht, die bis ins 17. Jahrhundert den Fernhandel in Nordeuropa beherrscht hat. Dem Städtebund gehörten zeitweise bis zu 200 Städte von den Niederlanden bis ins Baltikum, von Schweden bis nach Deutschland an.

Wer nach einem Besuch in der Frühphase ein zweites Mal kommt, wird sich wundern, was inzwischen noch ans Stromnetz gegangen ist – hauptsächlich computergestützte Schautafeln liefern mehr Informationen, als Lehrer jemals in ihrem Berufsleben verwerten könnten. Nach wie vor erschließt sich dem Besucher nicht, warum er auf dem Weg in die „Welt der Hanse mit ihren sieben Themenkomplexen“ erst durch Ausgrabungssituationen wandern muss, in die ihn ein Aufzug ins Erdinnere fährt. Beseitigt sind im Ausstellungsteil 2 gefährliche Stolperbrocken. Entfernt sind einige der präparierten Rattenkadaver im Pest-Schauraum (Ausstellungsteil 1). Aber, so lautet eine Kritik in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Lübeckische Blätter“: „Die schicksalhafte geschichtliche Bedeutung des Stalhofes, seine Schließung durch Elisabeth I. (1598) kommt kaum zum Ausdruck; die weitreichenden Folgen dieser Schließung, ein starkes Signal des Niedergangs der Hanse, wird nicht weiter thematisiert.“ Und generell heißt es über die Schau: „Im Moment bleiben die Räume gedanklich und optisch in ihrer jeweiligen Themenstellung verhaftet, scheinbar untereinander unverbunden, partikulär.“

Jetzt sorgt auch noch ein Internetartikel für Diskussion in den sozialen Netzwerken. Die Journalistin Lina Timm vom MediaLabBayern hat das Hansemuseum besucht und beruteilt die Ausstellung kritisch. Es fehle der rote Faden, moderne Ausstellungstechnik fehle. „Läuft man durchs Hansemuseum, könnte man denken, das einzige Medium der Welt sei Text“, schreibt sie auf medium.com. Der Ausstellung würde der Einsatz aktueller Technik, wie die Individualisierung des Rundgangs mit einer App fehlen, Videos und 3D-Animationen fehlen.

In der Hansestadt hat der Bericht für eine Diskussion in der Politik geführt: „Leider ein objektiver Bericht“, sagt Bürgerschaftsmitglied Thomas Thalau (CDU). „Die Kritik ist völlig richtig. Leider ist es so“, meint der ehemalige Landtagsabgeordnete Gerrit Koch (FDP). Werner Horstmann (Partei-Piraten) berichtet auf Facebook, er sei von der Ausstellung „enttäuscht“. Mit Gästen wolle er erst ins Museum, wenn er „im Kulturausschuss hört, dass es fertig ist.“

Einen ganz anderen Eindruck haben Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und Bürgermeister Bernd Saxe. In ihrem Grußwort zum Jahreswechsel bewerten sie das Europäische Hansemuseum als „Leuchtturm für die Lübecker Museumslandschaft“.

Museumschefin Felicia Sternfeld, die im Oktober Knall auf Fall und bis heute ohne Begründung Lisa Kosok abgelöst hat, arbeitet derweil an der Zukunft. Es soll ein Programm für Schulen geben, literarische und musikalische Veranstaltungen und Sonderschauen. Zudem ist der Besuch des Burgklosters in Zukunft im Eintrittspreis von 12,50 Euro (ermäßigt elf Euro) inklusive. Bisher kostete der Besuch des Burgklosters drei Euro zusätzlich.
 

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