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Lübeck

10. Dezember 2016 | 02:23 Uhr

Landgericht Lübeck : Baby zu Tode geschüttelt – Verteidigung fordert fünf Jahre Haft

vom

Der 30-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt. Er soll sein Kind solange geschüttelt haben, bis schwere Hirnverletzungen auftraten.

Lübeck | Im Lübecker Prozess um den Tod eines vier Wochen alten Säuglings hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag fünfeinhalb Jahren Haft wegen Totschlags für den Vater beantragt. Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, das schreiende Baby im November 2015 so heftig geschüttelte zu haben, dass es starb. Der Angeklagte habe um die Gefährlichkeit seines Tuns gewusst und den Tod seines Sohnes billigend in Kauf genommen, sagte der Staatsanwaltschaft. Der Anwalt der Nebenklage forderte sechs Jahre Haft wegen Totschlags. Die Verteidigung wertete die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge und forderte eine milde Strafe. 

Äußerlich gefasst und mit gesenktem Blick verfolgte der Angeklagte die Plädoyers. Der 30-Jährige hatte erst in der vorigen Woche überraschend ein Geständnis abgelegt. An die eigentliche Tat könne er sich jedoch nicht erinnern, hatte er gesagt.

Nach Überzeugung von Staatsanwalt Nils-Broder Greve war der Angeklagte am 18. November 2015 in Schönwalde im Kreis Ostholstein für etwa 15 Minuten mit dem Baby allein, weil die Mutter zum Einkaufen gegangen war. Als der kleine Leon schrie, wollte der Vater ihm die Flasche geben, die das Kind aber nicht annahm. Stattdessen schrie es weiter. „Daraufhin fasste der Angeklagte das Baby unter den Achseln und schüttelte es mehrfach“, sagte Greve. Das Kind wurde zunächst reanimiert und in die Uniklinik nach Lübeck gebracht. Dort starb es sechs Tage später. Schon in der Notaufnahme kam den Ärzten der Verdacht auf ein Schütteltrauma, der sich schnell erhärtete.

„Die Verletzungen waren typisch für ein solches Geschehen und so massiv, dass sie auf ein erhebliches Schütteln des Kindes hindeuteten“, sagte ein Gerichtsmediziner aus. Der Angeklagte hatte diesen Verdacht zunächst zurückgewiesen, sich aber dabei in Widersprüche zum Ablauf des Geschehens verwickelt. Er habe es wohl selbst nicht wahr haben wollen, hatte der 30-Jährige in der vorigen Woche sein spätes Geständnis begründet. „Dieses Geständnis bedeutet eine Erleichterung für die Mutter, denn in ihrem Umfeld gab es Spekulationen, sie trage eine Mitschuld am Tod ihres Kindes“, sagte Rechtsanwalt Andre Vogel als deren Nebenklagevertreter am Dienstag. 

Anders als Staatsanwalt und Nebenkläger wertete Verteidiger Patric von Minden die Tat nicht als Totschlag, sondern als Körperverletzung mit Todesfolge oder als fahrlässige Tötung. „Man kann meinem Mandanten vorwerfen, dass er sich nicht unter Kontrolle hatte. Doch der Tod seines Kindes war das letzte, was er wollte“, sagte von Minden.

Das Urteil soll am Donnerstag (21. Juli) verkündet werden.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 13:55 Uhr

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