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Lübeck

20. Januar 2017 | 00:38 Uhr

2016: Auto statt Kutsche

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübecker Martensmann ist wieder unterwegs / Zum Martinstag bringt er Wein aus Lübeck nach Schwerin

Der Lübecker Martensmann ist am Freitag zu seiner traditionellen Reise nach Schwerin aufgebrochen. Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD) verabschiedete den Martensmann alias Stefan Pagel, der nach altem Brauch zum Martinstag (11. November) ein Fass Rotwein in die Landeshauptstadt des Nachbarlandes Mecklenburg-Vorpommern bringt.

Allerdings stieg Stefan Pagel vor dem Lübecker Rathaus nicht wie sonst in eine Pferdekutsche. Weil eines der Pferde erkrankt ist, musste der Martensmann in diesem Jahr den ersten Teil seiner Reise mit dem Auto zurück legen. In Schönberg (Kreis Nordwestmecklenburg) werde er aber wieder in eine Kutsche steigen, versicherte Pagel.

Für seine Reise trägt Martensmann Stefan Pagel einen roten Mantel mit schwarzen Ärmeln, schwarze Kniehosen, einen großen weißen Kragen und eine mächtige Perücke – die Tracht eines Ratsdieners aus dem 16. Jahrhundert. Das Fass, das er bei seiner Verabschiedung auf der Schulter trägt, ist leer. „Das ist nur Dekoration, die richtigen Fässer sind schon im Auto“, erläutert Pagel. Insgesamt 150 Liter Wein nimmt Pagel mit auf die Reise nach Schwerin in die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns.

Auf dem Weg dahin macht er am Sonnabend traditionell in Schönberg und Rehna (Kreis Nordwestmecklenburg) Station. In Schwerin wird er dann am Sonntag gegen 13 Uhr vom Oberbürgermeister der Landeshauptstadt empfangen genommen, und der Wein wird bei einem Volksfest unter die Menschenschar gebracht. Der alte Brauch war mehr als 100 Jahre lang in Vergessenheit geraten und wurde nach der Wiedervereinigung 1991 neu belebt.

Urkundlich belegt ist das Weinpräsent aus der Hansestadt Lübeck seit 1567. Jedes Jahr zu Martini erhielt der in Schwerin residierende Herzog von Mecklenburg vom Rat der Freien und Hansestadt Lübeck als symbolische Steuer „ein Ohm Rheinischen Most“, wie es in historischen Dokumenten heißt. Ein Ohm entspricht 145,5 Liter. Seither wird vor der Weinprobe gestritten, ob der Wein eine Pflichtabgabe oder ein Geschenk der Lübecker ist. „Zum Glück muss ich die Rede nicht auswendig lernen, sondern kann sie von meiner großen Schriftrolle ablesen“, sagt Pagel.

Der hat das „Amt“ der Martensmannes 2015 von seinem Vorgänger Horst Possehl übernommen und nach eigenen Worten einen Heidenspaß an der Rolle und dem alljährlichen Spektakel. „Ich hoffe, dass ich das weitermachen kann, bis ich einen Rollator brauche“, sagt der 56-Jährige mit einem Augenzwinmkern.




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