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Kiel

28. Juli 2016 | 14:20 Uhr

Koch aus Nigeria : „Zum Mohrenkopf“ in Kiel: Restaurant-Name im Rampenlicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum ein Kieler Koch mit nigerianischen Wurzeln sein Lokal „Zum Mohrenkopf“ nennt – und auf dem Cover des „Süddeutsche Magazins“ landet: Ein Besuch.

Manche Gäste trauen sich nicht zu fragen. Andere finden es mutig. Oder sie diskutieren vor der Tür, treten ein und verlangen nach dem Chef. Vor kurzem reisten Journalisten des „Süddeutsche Zeitung Magazin“ an, um diese eine Frage zu stellen.

Warum nennt ein Schwarzer sein Restaurant „Zum Mohrenkopf“? In einer Zeit, in der das Wort Negerkuss politisch korrekt durch Schokokuss ersetzt wird und die Schokoladen-Firma Sarotti ihren Mohr gold umfärbt?

Andrew Onuegbu hat mehrere Antworten auf diese Frage. Der 42-Jährige stammt aus Nigeria – und führt sein Lokal in der Nähe des Exerzierplatzes mit dem Stempel „Deutsche Küche“. Erstens steht der bewusst gewählte Name für das, was Onuegbu ist: „Ich bin Mohr“, stell er klar. „Ich stehe zu meiner schwarzen Hautfarbe.“ Zweite Antwort: Der Name ist Ausdruck seiner eigenen Einstellung. „Wir Schwarze sind ganz gelassen“, sagt der Kieler.

Vor rund einer Woche blickte Andrew Onuegbu vom Cover des „Süddeutsche Zeitung Magazins“, die Hände in die Hüften gestemmt, draußen vor dem Eingang zu seinem Restaurant. In der Reportage ging es um die Frage, wo Rassismus beginnt und was erlaubt ist. Onuegbus Gaststätte „Zum Mohrenkopf“ war eine der Stationen dieser „Deutschlandreise“.

Hierzulande solle man unverkrampfter mit dem Thema Rassismus umgehen, findet Andrew Onuegbu. „Rassismus verbirgt sich nicht hinter einem Namen oder einem Logo. Er ist bei den Menschen hier drinnen“, sagt der Mann mit der verkehrt herum aufgesetzten Kappe und klopft mit der flachen Hand auf sein Herz. Solange er respektiert wird, geht er locker mit seiner Hautfarbe um.

Was ist seit dem Titel-Cover passiert? „Positive Resonanz“, sagt er. Medienanfragen, mehr Gäste, „viele sind neugierig und diskutieren“, erzählt Onuegbu. Er fühlt sich bestätigt. Manche Gäste gratulierten ihm auch zur bundesweiten Bekanntheit. Er selbst sagt es so: „Ein Schleswig-Holsteiner, der den Sprung geschafft hat“.

Es gibt übrigens noch eine dritte Antwort. „Der Mohr stand im Mittelalter als Auszeichnung für gute Küche“, erklärt der Gastronom. Daran wolle er anknüpfen. Für ihn habe dieser besondere Name darum schon lange vor der Eröffnung des eigenen Ladens festgestanden.

Das war vor acht Jahren. Vormals Sitz eines griechischen Restaurants, verwirklicht Andrew Onuegbu an der „Sandkuhle“ seinen Traum. Er ist am Ziel angekommen: Schon in der Ausbildung zum Koch im „Bärenkrug“ in Molfsee macht er sich Notizen über beliebte Gerichte. Als Chefkoch in der Eckernförder „Siegfried Werft“ erarbeitet er sich Ausbilderqualitäten. Bis sich die Chance auf ein eigenes Lokal ergibt. Onuegbu ergreift sie mit der Unterstützung eines Freundes.

Diesen Weg hat sich Andrew Onuegbu hart erarbeitet. Nach dem Abitur in Nigeria vor mehr als 20 Jahren geht er allein nach Deutschland. „Ich habe Deutschland schon immer geliebt“, erklärt er. Fußballspiele der Nationalmannschaft standen an? Onuegbu schlief als Junge nachmittags vor, um nachts zuschauen zu können.

Kaum im Norden angekommen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, sucht Onuegbu einen Job. Irgendwann öffnet sich eine Tür. Ein Fischlieferant in Altenholz lässt ihn bei sich arbeiten. Noch heute sei er mit den Betreibern befreundet, sagt Andrew Onuegbu und lächelt. „Damals war ich Fischarbeiter. Heute beziehe ich meinen Fisch dort. Wir sind Geschäftspartner.“

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erstellt am 03.Aug.2015 | 06:09 Uhr

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