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Kiel

07. Dezember 2016 | 19:30 Uhr

Messingplatten in der Holstenstraße : Zu rutschig: Kiel baut Sprottenplatten wieder aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

30 Jahre nach ihrem Einbau werden die Messing-Stücke entfernt. Ein neuer Platz wird noch gesucht.

Die meisten stiefeln einfach drüber, ohne sie zu beachten: Die 312 Messingplatten mit dem eingravierten Sprottenmotiv, 24 mal 24 Zentimeter klein, prägen seit Ende der 80er Jahre das Pflaster der Kieler Holstenstraße. Mit ihnen wurden diejenigen Förderer hervorgehoben, die 1988 die Umgestaltung der Fußgängerzone finanziell unterstützt hatten. Ihre Namen stehen darum unter den Sprotten. Damals hofften vermutlich Förderer, Stadt und Konstrukteur, das sei ein Pflasterschmuck für die Ewigkeit. Doch die Stadtverwaltung hat jetzt, gut 30 Jahre später, das Ende der metallenen Pflaster-Fische beschlossen. Denn sie sind im Lauf der Zeit rutschig geworden. Zu groß ist nun die Gefahr, dass wieder jemand stürzt, die Stadt Kiel verklagt – und gewinnt.

Das Ende der Messing-Sprotten kommt nach einem Gerichtsurteil von vor zwei Jahren wenig überraschend. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hatte im Juni 2014 entschieden, dass die Stadt Kiel für den Sturz einer Fußgängerin auf einer regennassen Sprottenplatte haftet, weil die Stadt ihre Verkehrssicherungspflichten verletzt hat. Die damals 58 Jahre alte Dame war Anfang Dezember 2011 auf einer der Platten ausgerutscht und hatte sich den Wadenbeinknochen gebrochen. Am Unfalltag herrschte leichter Nieselregen – bei einer Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent. Die Stadt Kiel hatte zuvor eine Haftung abgelehnt.

Nach Ansicht des Oberlandesgerichts hat die Stadt jedoch durch das Einbringen der „Sprottenplatten“ in der Fußgängerzone eine potenzielle Sturzgefahr geschaffen, weil die im Gehweg eingelassenen Messingplatten bei geringer Feuchtigkeit „in erheblichem Maße in der Rutschfestigkeit herabgesetzt sind“. Dadurch treffe die Stadt eine gesteigerte Sicherungspflicht, hieß es in der Begründung (Aktenzeichen 11 U 167/13).

Die Stadt Kiel hat diesen Umstand inzwischen akzeptiert. „Durch die Nutzung tausender Passanten täglich wurden die Oberflächen der Platten derartig abgenutzt, dass es von Zeit zu Zeit – insbesondere bei Schnee und Eis – zu bedauerlichen Einzelunfällen von Fußgängern kam“, hält Kiels Bürgermeister Peter Todeskino in einer geschäftlichen Mitteilung für die Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag fest. Die Verwaltung suchte nach einer Lösung, ließ die Platten auf Griffigkeit und Rauheit überprüfen. Ergebnis: zu glatt.

Das war vor zwei Jahren: Dennis Schings  bearbeitete eine der Platten mit dem Sandstrahler.
Das war vor zwei Jahren: Dennis Schings bearbeitete eine der Platten mit dem Sandstrahler. Foto: DSU
 

In einer groß angelegten Aktion wurden alle Platten noch im Sommer 2014 von einer Neumünsteraner Fachfirma mit einem Sandstrahler aufgeraut, um die Griffigkeit zu verbessern – Kostenpunkt: Rund 10.000 Euro. Eine Untersuchung belegte laut Todeskino tatsächlich einen erhöhten „Rutschwiderstand“ – allerdings nur kurzfristig. Schon im vergangenen Herbst wurde festgestellt, „dass der Rutschwiderstand wieder unter den geforderten Wert gefallen ist“, so Todeskino.

Noch mal Sandstrahlen ist auch keine Lösung – dann wäre die eigentliche Sprottenmusterung nicht mehr erkennbar, lautet die Diagnose des Bürgermeisters. Ergo „werden die Sprottenplatten nunmehr ausgebaut“. Und durch Gehwegplatten ersetzt. Noch in diesem Sommer. Kostenpunkt: Erneut rund 10.000 Euro.

Und was wird aus den Messing-Sprotten, 1986 entworfen vom Stadtplanungsamt? Sie kommen erst mal auf den Bauhof. Ein Stadtsprecher: „Dann wird ein geeigneter Ort in der Innenstadt gesucht.“

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erstellt am 05.Jul.2016 | 05:44 Uhr

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