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Kiel

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

150-jähriges Bestehen : Zu Ehren von „Alma an der Ostsee“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1866 wurde die Kieler Freimaurer-Loge „Alma an der Ostsee“ gegründet. Mit einer dreitägigen Geburtstagsfeier begehen die 131 Logenbrüder das Jubiläum. Dabei wird auch die druckfrische bebilderte Festschrift vorgestellt.

An diesem Wochenende steht ein würdiger Geburtstag an. Die Freimaurer-Loge „Alma an der Ostsee“ besteht seit genau 150 Jahren. Das dreitägige Fest startet am Freitagabend mit einem Empfang in der IHK, dabei wird auch das extra zum Jubiläum herausgegebene, mit historischen Fotos bestückte Buch vorgestellt. Für Sonntag laden die Mitglieder dann zum Tag der Offenen Tür in ihr Logenhaus an der Beseler Allee 38 ein. Sie wollen dabei auch die Möglichkeit nutzen, mit gängigen Vorurteilen gegenüber den Freimaurern aufzuräumen.

Wie Norbert Jürgensen als der vorsitzende Meister der Loge und Uwe Lüthje als abgeordneter Logenmeister (Stellvertreter) erklären, begann die Geschichte der Freimaurerei in Deutschland im Grunde mit einem Übersetzungsfehler. Denn die historische Ursprünge gehen auf die sogenannten Dombauhütten des Mittelalters zurück, wo die aufgeklärten, hoch gebildeten Steinmetze – fernab von Gängelung durch den absolutistischen Staat oder die dogmatische Kirche – offen reden und debattieren konnten. Bis heute hat sich denn auch das Ritual gehalten, dass ein Wachhabender die Runde schützt und absichert. Und auch, dass über das Gespräch im vertrauten Kreis absolutes Stillschweigen bewahrt wird.

Die aus England stammenden „Free-Masons“ sind deshalb streng betrachtet „Freie Steinmetze“ (heute wären es wohl Ingenieure), keinesfalls „Freie Maurer“. Winkelmaß, Zirkel und Bibel gelten traditionell als die drei Hauptsymbole der Freimaurerei. Die Anhänger arbeiten daran, den idealen „Tempel der Humanität“ zu errichten, und verstehen sich als Teil einer internationalen Gemeinschaft. Verpflichtet den Grundsätzen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wie man es aus der Französischen Revolution kennt.

Den Nazis waren Freimaurer ähnlich suspekt wie Kommuniste oder Juden. Kein Wunder, sagt Jürgensen: „Hitler war gegen das freie Wort.“ Als das NS-Regime 1935 die Kieler Loge „Alma an der Ostsee“ auflöste, das wertvolle Inventar verscherbelte und das wertvolle Haus am Lorentzendamm konfiszierte, bestand die Loge bereits seit fast 70 Jahren.

Gründer war 1866 – der Rauch aus dem Deutsch-Dänischen Krieg hatte sich eben erst verzogen – der Schulrektor Johann Hussmann. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere 100-Tage-Kaiser, gab persönlich seine Erlaubnis. Logenbrüder waren etwa der Physik-Professor Gustav Karsten (einer der Planer des Nord-Ostsee-Kanals), der Reeder August Sartori und der Philosophie-Professor und Kunstsammler Gustav Thaulow.

Nach Kriegsende wurde „Alma an der Ostsee“ bereits Ende 1945 neu gegründet. 1953 bezogen die Mitglieder das neue Logenhaus an der Beseler Allee 38. Heute zählt die christliche Freimaurer-Loge mit ihren 131 Brüdern nach Einschätzung von Jürgensen und Lüthje zu den fünf größten Logen in Deutschland.

Mitglied kann im Prinzip jeder werden. Er muss „ein freier Mann von gutem Ruf“ und mindestes 21 Jahre alt sein. Er muss ein christliches Wertesystem anerkennen und natürlich die Bereitschaft mitbringen, an sich und an der Gemeinschaft arbeiten zu wollen. Denn ebenso wie die einzelnen Steine im Tempelbau passend zurechtgeschliffen werden, damit die Konstruktion dauerhaften Halt besitzt, durchläuft auch der einzelne Logenbruder eine „Ausbildung“, um seine humanitären und sozialen Kompetenzen zu schärfen. Die beiden Logen-Vorsitzenden wählen für die Mitarbeit bei „Alma an der Ostsee“ einen Vergleich, der wohl für jede Freimaurerloge gilt: „Jeder Mensch ist ein unbehauener Stein, der sich ständig verändern muss.“

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erstellt am 15.Nov.2016 | 18:15 Uhr

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