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Kiel

08. Dezember 2016 | 15:26 Uhr

Bauprojekte in der Landeshauptstadt : Wie Investoren in Kiel hoch hinaus wollen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hotel, Wohnen, Gewerbe, Kreativszene: Hochhaus-Projekte soll Kiel attraktiver machen. Und bewegen die Gemüter in der Kommunalpolitik.

Es sind zwar keine Wolkenkratzer wie in den USA oder Asien, die in Zukunft in den Himmel der Landeshauptstadt Kiel ragen könnten. Aber mit bis zu 15, 16 Geschossen – beziehungsweise bis zu 55 Metern Höhe – würden sie das Stadtbild doch stark verändern. Hochhäuser scheinen also für die Hafenstadt wieder salonfähig zu werden. Aktuell bewegen unterschiedliche Projekte die Gemüter in der Kommunalpolitik und im Rathaus. Zuspruch, aber auch Fragen und Kritik sind zu hören.

Ein Drei-Sterne-Hotel am Exer

Projekt 1: Seit einigen Wochen sind Pläne des Hamburger Investoren Revitalis Real Estate bekannt, der am Exerzierplatz direkt neben der Sparkassen-Arena ein Drei-Sterne-Hotel („Hampton by Hilton“) im Hochhaus-Format samt Parkhaus bauen lassen will. Der Kieler Beirat für Stadtgestaltung erneuerte in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend seine Kritik am Vorhaben. Die Geschosshöhe sowie das angedachte angeschlossene Parkhaus sind Architekt Knud Wittig vom Beirat ein Dorn im Auge.

Seine Sorge: „Der besondere Bau Sparkassen-Arena würde in seinem Charakter verdeckt und untergehen.“ Baustadtrat und Bürgermeister Peter Todeskino hat angesichts der Pläne ebenfalls Bauchschmerzen, sprach aber von konstruktiver Zusammenarbeit mit Revitalis und zeigte sich erleichtert darüber, dass der Investor bereit ist, vier Geschosse niedriger zu bauen – obwohl laut geltendem Bebauungsplan ein Gebäude mit 54 Metern Höhe (bis zu 17 Geschosse) erlaubt wäre.

Die Stadt hat Rechtsprüfungen zu dem Vorhaben in Auftrag gegeben. Zu den Plänen erklärte gestern auf Anfrage Svea Hoffmann von Revitalis: „Die Reduzierung des Projektes um vier Geschosse können wir bestätigen. Das geplante Parkhaus bleibt nach einer Anpassung der Fassade unverändert.“ Zur zeitlichen Umsetzung des Projektes könne man allerdings „aktuell keine Auskunft geben, da wir uns nach wie vor in Abstimmungsgesprächen mit der Stadt befinden“. Aus diesem Grund könne man auch keine Visualisierung zur Verfügung stellen.

Bis zu 30 Millionen Euro für die Kreativszene

Projekt 2: Ein Volumen von 25 bis 30 Millionen Euro sieht Investor Jens Nieswand, einer der Gesellschafter der Kap Horn GmbH, in der Planung für einen bis zu 55 Meter hohen Neubau an der Werftbahnstraße in Gaarden. Man will nach eigener Aussage dringend benötigten Raum für die Kreativszene des Medienzentrums W8 in der Werftbahnstraße schaffen. Dort sind laut Nieswand etwa 40 Firmen mit gut 120 Beschäftigten angesiedelt. Bekannt wurde der Drucker Nieswand, der sich Ende der 70er Jahre in der Werftbahnstraße einmietete, weil er für den benachbarten „Semmel Verlach“ die „Werner“-Comics druckte.

Skizze des Architekten Jan Nieswand für das Projekt Werftbahnstraße.
Skizze des Architekten Jan Nieswand für das Projekt Werftbahnstraße. Foto: bkk-3 wien-hamburg.
 

Später entstand das Zentrum W8, eine „Mischung aus Künstlern, Designern, Agenturen und Verlagen“. Zusätzlich zu Büros und Flächen etwa für Arztpraxen soll im geplanten Neubau Wohnraum entstehen – auch für Studenten kann Nieswand sich das vorstellen. Wichtig ist ihm: „Wir wollen hier architektonisch anspruchsvoll bauen, so dass Menschen hierher fahren, um es sich anzuschauen. Wir wollen Architekten begeistern, die Rang und Namen haben.“ Auch die Bürger sollen einbezogen werden. Trotz grundsätzlichen Zuspruchs beantragte die CDU auch aufgrund von Bedenken wegen der Gebäudehöhe die Vertagung einer ersten Entscheidung im Bauausschuss – und setzte sich durch.

Dieselben Sorgen äußerte die CDU gegenüber weiteren Hochhaus-Plänen wenig entfernt auf dem fünf Hektar großen Posthofgelände in Gaarden. Der Mietvertrag mit der Post, die dort unter anderem ein Briefverteilzentrum betreibt, läuft Ende Juni 2018 aus. Der Komplex soll abgerissen werden. Neue Wohnhäuser, darunter auch ein 15- bis 16-geschossiger Komplex, sind in einem ersten Projektplan angedacht. Dahinter steckt die Aktiengesellschaft Dream Global Real Investment aus Kanada. Zwischen 600 und 800 Wohneinheiten sollen so entstehen. Skepsis herrschte jedoch gegenüber der Geschosshöhe. Auf SPD-Antrag wurde aus einem städtebaulichen Eckwertepapier die „Hochhaus“-Formulierung gestrichen. Mit dem Exposé wollen Stadt und Dream Global im Herbst bei der Immobilienmesse Expo Real werben.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 06:02 Uhr

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