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Kiel

05. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Ausbildungsbilanz : Weniger Lehrstellen, weniger Azubis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Agentur für Arbeit stellt die Jahresbilanz für das jüngste Ausbildungsjahr vor. Die sinkenden Zahlen zeigen: Auf dem heutigen schrumpfenden Ausbildungsmarkt kündigt sich der Fachkräftemangel von morgen an.

Doppelter Abitur-Jahrgang? Mehr Jugendliche, die sich um eine Lehrstelle bewerben? Petra Eylander, die neue Leiterin der Agentur für Arbeit in Kiel, winkt ernüchtert ab. Die aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes im Großraum Kiel weisen eher in die andere Richtung: weniger Bewerber, weniger Angebote. Damit zeigen die Statistiken bereits heute, wie der Fachkräftemangel von morgen aussehen dürfte. „Es wird nicht einfacher“, stellte die Expertin fest. Zur Vorstellung der Jahresbilanz hatte sie sich mit der Firma Wulff-Textil Service in Wellsee einen ausbildungswilligen Betrieb ausgesucht: Jeder zehnte der insgesamt 170 Mitarbeiter im Unternehmen ist ein Lehrling.

Im Ausbildungsjahr, das am 1. Oktober 2015 begann und am 30. September 2016 endete, ist die Zahl der Bewerber auf 2234 gesunken (7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum), jeder sechste (378) von ihnen blieb unversorgt. Dem standen 2121 Ausbildungsstellen gegenüber, von denen 149 nicht besetzt werden konnte. „Die Olympiasieger werden rarer“, erklärt Petra Eylander, womit sie auf die mitunter fehlenden Fertigkeiten der Bewerber anspricht. Folge: „Die Betriebe müssen stärker in Ausbildung investieren und auch Benachteiligten eine Chance geben.“

Die Agentur-Chefin gibt aber auch dem Nachwuchs den dringenden Rat, nicht unnötig lange die Schulbank zu drücken. Die bessere Alternative zu quälenden Schuljahren und einem Abschluss mit Ach und Krach sei die duale Ausbildung im Betrieb. Mittlerweile sei das Bildungssystem so durchlässig, dass man versäumte Schulabschlüsse entweder nachmachen oder mit dem Abschluss der Lehre sogar anerkannt bekommt. Und noch einen Tipp gibt Petra Eylander den jungen Jahrgängen mit auf den Weg. Sie sollten stets einen Plan B in der Tasche haben, falls es mit dem Traumberuf nicht klappt.

Das kann Geschäftsführer Sebastian Böge als Geschäftsführer von Wulff Textil-Service nur bestätigen. Nicht weniger als neun Berufe können junge Frauen und Männer im Familienbetrieb Wulff (in fünfter Generation) erlernen. Darunter sind Klassiker wie der Lagerist und der Kaufmann  /  die Kauffrau für Industrie oder Büro, aber auch vergleichsweise seltene Berufe wie die Änderungsschneiderin oder der Textilreiniger. Insgesamt stehen im Norden im Übrigen über 130 Jobs zur Auswahl – weshalb sich für die Bewerber eine professionelle Beratung bei der Agentur für Arbeit empfiehlt.

„Ich war planlos“, erzählt etwa Yukhym Brodskyy (20), der in jungen Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam. Er ist hoch zufrieden, weil er – nach entsprechender Beratung samt Praktikum – bei Wulff jetzt eine Ausbildung zum Servicefahrer absolviert. Erfolgreich erweist auch die Lehre von Julian Kluth (24), Firmenchef Böge will den angehenden Industriekaufmann künftig sogar zur Führungskraft machen.

Aber nicht immer verläuft eine Ausbildung reibungsfrei. Bei größeren Problemen im Betrieb sollten sich die Azubis an ihre Betreuer wenden. Und im Ernstfall bieten sowohl die Industrie- und Handelskammer wie auch die Handwerkskammer alternative Lehr-Plätze an, wie Jörn Meyer und Christian Maack gestern ausdrücklich betonten. Die Brocken einfach hinwerfen und verschwinden – das ist für unzufriedene Azubis die denkbar schlechteste Methode.  

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erstellt am 03.Nov.2016 | 18:52 Uhr

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