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Kiel

03. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Festung Friedrichsort : Verjüngungskur für die Kasematten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Einsatz einer freiwilligen jugendlichen Helfermannschaft aus Lübeck setzt ein Zeichen. Die Instandsetzung des maroden Dachs einer Kasematte könnte der erste Schritt zur Sanierung der historischen Festung Friedrichsort sein.

Hier oben auf dem Dach ist die Aussicht ungetrübt. Über den Deich hinweg kann man auf die Förde blicken. Doch für die vorbeiziehenden Fährschiffe, Kreuzfahrer und Containerfrachter haben die Mädchen und Jungen der Lübecker Jugendaufbauhütte kein Auge. Sie beschäftigen sich in der Festung Friedrichsort mit dem maroden Dach der Kasematte 1. Binnen einer Woche hat der Nachwuchs ein Teilstück des 150 Meter langen Bauwerks wieder regenfest gemacht und damit den drohenden Verfall gestoppt. Zumindest vorübergehend.

Die Festung Friedrichsort gilt als letzte vorhandene Seefestung Deutschlands. Die von den Dänen gegründete, zeitweilig von den Schweden besetzte, 1864 von den Preußen eingenommene Anlage im Kiel genießt bei Historikern und Denkmalschützern einen hohen Stellenwert – über nationale Grenzen hinweg. Doch die Aufnahme in die museale Landschaft lässt seit Jahrzehnten auf sich warten, was auch den schwierigen Eigentumsverhältnissen geschuldet ist. Die Kasematte 1 etwa gehört zum Firmengrundstück von Caterpillar und wurde meist als Lager benutzt.

Kiels Baudezernent Peter Todeskino gibt die Hoffnung nicht auf, die Festung eines Tages doch noch aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken und zur deutsch-dänischen Touristenattraktion zu machen. Eine städtebauliche Untersuchung ist angelaufen, die Grundlagen liefern soll für die angestrebte umfassende Sanierung des Areals. Den einwöchigen Einsatz der jungen Bauhelfer bewertet Todeskino als „Signal für die Öffentlichkeit“ und als „ersten Schritt zur Rekonstruktion der Festung“. Gespräche mit Caterpillar über die Abgabe der Kasematte 1 sind in Gange. Im Gegenzug gibt Todeskino den Betrieben in der Friedrichsorter Nachbarschaft eine Existenzgarantie: „Das Gelände muss Industriegelände bleiben.“

Die Jugendaufbauhütte ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und leistet zurzeit an 13 Orten in ganz Deutschland einen Beitrag zur Denkmalpflege. Zumeist absolvieren die Teilnehmer wie auch in der Festung Friedrichsort ein Freiwilliges Soziales Jahr. Sie haben auf der Kasematte nicht nur das Dach erneuert und, wo nötig, die morschen Tragehölzer erneuert, wie die Bauleiter Ivalu Vesely und Eric Janssen erklären.

Andere Teilnehmer liefen mit Papier, Bleistift und Laser-Pointer durch das Gewölbe der Kasematte. Denn nicht einmal ein verlässlicher Grundriss des historischen Gebäudes, in dem nach dem Kriege jahrelang Flüchtlinge lebten, war noch vorhanden. Jetzt aber ist das Haus komplett neu vermessen, mitsamt dem 148 Meter langen Mittelgang, von dem aus seitlich die früheren Wohn- und Lagerräume abzweigen. Für die künftige Sanierung werden diese Bauzeichnungen hilfreich sein. Nur: Es weiß noch niemand, wann die Sanierung beginnt.  

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erstellt am 30.Sep.2016 | 12:25 Uhr

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