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Kiel

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

Uniklinik Kiel : UKSH hat keinen Platz für todkrankes Kind

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Siebenjährige liegt seit drei Monaten im Koma. In Kiel könnte ein Spezialist ihm helfen. Doch der Platz fehlt.

Kiel | Wirbel in Kiel: Das Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) habe ein todkrankes Kind abgewiesen, berichteten die „Kieler Nachrichten“. Das Klinikum bestätigte am Montag, dass die Berliner Charité ein siebenjähriges Kind, das unter einer besonders gefährlichen Sonderform der Epilepsie leidet und schon seit drei Monaten im Koma liegt, nach Kiel verlegen möchte. Hier gibt es mit Privatdozent Dr. Andreas von Baalen einen Spezialisten mit weltweit anerkanntem Renommee. „Allerdings sind wir schon jetzt mit deutlich über 100 Prozent überbelegt. Wir haben nur zwölf Intensivplätze auf der neurologischen Kinderstation und mussten auch Anfragen aus anderen in- und ausländischen Kliniken in den letzten Tagen ablehnen“, erklärte UKSH-Sprecher Oliver Grieve. Zudem stehen laut Grieve Kinder auf der Warteliste, die nach einer fest geplanten lebensnotwendigen Operation in Kiel anschließend intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Da das Berliner Kind derzeit in der Uniklinik Berlin gut versorgt werde, müsse eine Verlegungsentscheidung sehr sorgfältig abgewogen werden, um nicht anderen Kindern, die auch Hilfe benötigten, zu schaden.

Die Kieler Kinderklinik ist offenbar Opfer ihres eigenen Erfolges, weil von Baalen als Koryphäe auf seinem Gebiet gilt und das Krankheitsbild, an dem der Berliner Junge leidet, erstmalig in der wissenschaftlichen Fachliteratur beschrieben hat. Der Mediziner war auf Wunsch der Mutter des Siebenjährigen kürzlich eigens nach Berlin gereist und hatte eine medikamentöse Behandlung in Kiel grundsätzlich begrüßt. Die Krankenkasse will die Verlegung bezahlen. Nur der Platz auf der Intensivstation fehlt.

Dabei geht es nicht nur um das Bett und die aufwendige medizinische Überwachungsapparatur, sondern auch um ausreichend Personal. „Wir würden eine speziell geschulte und geeignete Kinderintensivkraft sofort einstellen, wenn sie sich bewerben würde“, versichert Grieve. Doch bundesweit sei der Mangel an solchen qualifizierten Kräften groß. Auch die Berliner Charité leide unter „absolutem Pflegenotstand“ und müsse geplante Chemotherapien bei Kindern absagen, berichtete gestern der Berliner Tagespiegel. Beim UKSH konnten selbst teure Werbekampagnen an diesen Engpässen nichts ändern. „Wir können nicht einfach von anderen schwer kranken Kindern Personal abziehen, um zusätzliche Patienten zu versorgen“, betont Grieve. Schon jetzt sei das UKSH mit zwei manchmal sogar drei Patienten pro Intensivkraft an der Grenze des Machbaren. „Unter diesen Umständen können wir das Berliner Kind derzeit nicht übernehmen“, sagte Grieve, der volles Verständnis dafür hat, dass die betroffene Mutter nach dem letzten Strohhalm greift und für die bestmögliche Versorgung ihres Kindes kämpft.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 10:06 Uhr

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