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Kiel

05. Dezember 2016 | 17:45 Uhr

Prozess gegen 39-Jährige in Kiel : Tödliche Messerattacke in Schönkirchen: Tochter des Opfer sagt aus

vom

Sie soll ihre Schwägerin wegen familiärer Streitigkeiten mit 17 Messerstichen getötet haben. Das Gericht erwartet ein psychiatrisches Gutachten.

Kiel | Im Kieler Prozess um eine tödliche Messerattacke auf ihre Schwägerin hängt die Schuldfähigkeit der Angeklagten nach Ansicht eines Gutachters vom angenommenen Tatverlauf ab. Folge man der Darstellung der Angeklagten, das Opfer habe im Streit plötzlich ein Messer gezogen, wäre sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht voll schuldfähig, sagte der psychiatrische Gutachter am Donnerstag vor dem Kieler Landgericht. Folge man dagegen der Schilderung der zum Tatzeitpunkt neunjährigen Tochter des Opfers, dann sei die Steuerungsfähigkeit der 39-jährigen Angeklagten nicht vermindert gewesen - und sie wäre voll schuldfähig.

Das kleine Mädchen hatte die Bluttat am 9. September 2015 vor dem Wohnhaus des Opfers in Schönkirchen (Kreis Plön) mitangesehen.  Nach Darstellung des Kindes tauchte die Angeklagte spätabends vor dem Haus auf, stürzte sich auf seine Mutter und brachte diese zu Fall.

Sie habe gerufen: „Ich werde Dich töten! Ich hab Dir gesagt, ich bring Dich um.“ Das Opfer habe vergeblich gebeten, aufzuhören: „Meine Mama sagte, hör auf, ich hab ein Kind. Du müsstest das doch verstehen, Du hast doch auch ein Kind“, sagte die Kleine mit leiser Stimme. Sie habe versucht, die Tante von der Mutter wegzuziehen.„Doch die hat immer weitergemacht.“ Überall sei Blut gewesen.  Während ein Video mit der Aussage des Mädchens abgespielt wurde, herrschte Stille im Gerichtssaal. Die Angeklagte blickte nicht auf.

Laut Anklage stach sie 17 Mal zu. Nach ihren Angaben hatte sie dem Opfer das Messer entreißen können und zugestochen; mehr erinnere sie nicht.  Ein mögliches Tatmotiv ist nach Aussage des Mädchens, dass die Tante empört war über ein neues Liebesverhältnis der Mutter, das diese nach dem Tod ihres Ehemannes mit dessen Bruder begonnen habe. Nach Auffassung des Gutachters blieb die Einstellung der Familie zu der neuen Beziehung im Prozess ungeklärt - „und damit auch, ob die Angeklagte sich möglicherweise im Handlungszwang befunden hat“.

Die Plädoyers sind am 2. Juni geplant. Die Anklage lautet auf Totschlag. Das Gericht hat aber auch eine Verurteilung wegen Mordes nicht ausgeschlossen.

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erstellt am 26.Mai.2016 | 18:12 Uhr

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