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Kiel

23. Februar 2017 | 19:40 Uhr

Studenten : Streit um Wohnheim geht in neue Runde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bewohner kritisieren acht leere Zimmer in der Jägersberg-Anlage zu Zeiten der Wohnungsnot. Doch das Studentenwerk argumentiert mit Brandschutz – und wirft Studenten „bewusste Fehlinformation“ vor.

In Zeiten knappen Wohnraums lässt das Studentenwerk Schleswig-Holstein acht Zimmer eines Kieler Wohnheims mit 14 Einheiten leer stehen. Zu Semesterbeginn. Während der Flüchtlingskrise. Die sechs verbliebenen Bewohner der Anlage Jägersberg nahe Dreiecksplatz kritisieren das Studentenwerk für dieses Vorgehen – „wertvoller und dringend benötigter Wohnraum bleibt ungenutzt“, sagen die Studenten Insa (20), Mila (24), Andi (26), Debora (23), Mathis (29) und Carina (25). Eine weitere Runde im Streit um ihr Wohnheim ist eröffnet.

Er schwelt seit Jahren. Der aktuelle Leerstand hat aus Sicht des Studentenwerks einen Grund: Brandschutz. Die Kritik lässt Geschäftsführerin Susann Schrader daher nicht gelten. Sie hält diese für „frech und dreist“ und wirft den Mietern „bewusste Fehlinformation“ vor: „Wir würden jeden Raum vermieten, wenn es möglich wäre.“ Fünf der acht leeren Räume wurden zwar als „sicher“ eingestuft. Dorthin innerhalb des Hauses umzuziehen, lehnten die Bewohner jedoch ab. Sie sagen, sie hätten keine vollständigen Unterlagen erhalten und darum nicht unterschreiben wollen. Schrader widerspricht und sagt: „Die Gefahr wird ignoriert. Auch Flüchtlinge dürfen nicht in Zimmern ohne zweiten Fluchtweg wohnen.“ Man habe daher die Stadt damit beauftragt ordnungsrechtliche Schritte einzuleiten.

Darum geht es eigentlich: Die Fachhochschule (FH) Kiel ist Vermieter des Gründerzeithauses, als Verwalter fungiert derzeit das Studentenwerk. Vor mehr als 30 Jahren wurde das Haus am Jägersberg der FH über eine Stiftung zur Verfügung gestellt. Bedingung: Das ehemalige Privathaus soll Studenten zur Verfügung stehen. Mehrere hundert Kieler Studierende – früher zumeist von der FH, heute von Universität und Muthesius Kunsthochschule – genossen das Lebensgefühl mit knarzenden Holzböden, Garten und WG-Gefühl. Insa, Mila, Andi, Debora , Mathis und Carina leben gern hier, das vermitteln sie glaubhaft.

Doch vor einem Jahr hieß es: Das Wohnheim wird geschlossen. Die FH will es verkaufen. Es ist stark sanierungsbedürftig, die FH will nichts investieren. „Erst auf unsere Nachfrage nach dem Grund für die Schließung war plötzlich der Brandschutz wichtig“, sagt Insa. Sie und ihre Mitbewohner wollen ihr Zuhause auf Zeit behalten und das Wohnheim für andere Studenten bewahren. „Wir haben Unterstützung, Ideen und Spendensammeln angeboten, doch das wurde nicht beachtet“, sagen sie. Protest, Aktionen, Schlagzeilen und ein Runder Tisch folgten. Der Kompromiss: Bis Ende August 2016, so lange läuft der letzte befristete Mietvertrag, können alle dort bleiben (wir berichteten).

Und danach? FH-Sprecherin Frauke Schäfer verweist an das Studentenwerk. Susann Schrader betont: „Wir müssen in den nächsten Monaten eine Lösung finden.“ Den Bewirtschaftungsvertrag mit der FH hat die Einrichtung jedoch zum Jahresende gekündigt. Zu viel Aufwand für zu wenige Studenten, sagt Schrader: „Das ist nicht unser Auftrag.“

Eine gemeinsame Lösung – da sagen die Bewohner nicht Nein. Sie wollen aber verhindern, dass ihr Heim Zimmer für Zimmer ausblutet. Für Insa steht darum fest: „Wir bleiben.“

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erstellt am 07.Okt.2015 | 06:09 Uhr

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