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Kiel

08. Dezember 2016 | 13:04 Uhr

Grossbrand in Altenholz : Streit um Mülltonnen am dritten Prozesstag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ungereimtheiten im Prozess um die Brandstiftung von Altenholz reißen nicht ab. Mittlerweile ist auch der Hergang des Feuers strittig. War’s wirklich ein Papiercontainer, oder stand anfangs nur ein Holzstapel in Flammen?

Auch am dritten Tag im Prozess wegen der schweren Brandstiftung in Altenholz im November 2014 ist das Kieler Amtsgericht der Aufklärung nicht näher gekommen. Im Gegenteil: Nach erheblichen Zweifeln an der Schuld des 23-jährigen Angeklagten K. (wir berichteten) mehren sich auch die Fragezeichen um die Ursache des Brandes, der die gesamte Ladenzeile der Ortschaft in Schutt und Asche gelegt hatte.

Die bisherige Version – die auch Eingang in die Anklage gefunden hat – geht davon aus, dass zunächst ein mit Papier gefüllter Container auf der Rückseite des Lebensmittelmarktes in Brand gesetzt wurde. Das Feuer griff ziemlich schnell auf den hölzernen Überstand und schließlich auf sämtliche Geschäfte des kleinen Einkaufszentrums über. Vergeblich hatte die Feuerwehr versucht, einzelne Bereiche wie das griechische Restaurant zu retten.

Bei der Befragung des zweiten mit der Ermittlung beauftragten Kripo-Beamten stellte sich heraus, dass die ersten Zeugen der Feuerwehr einen brennenden Holzstapel gemeldet hatten. „Hat überhaupt jemand einen Müllcontainer in Flammen gesehen?“, fragte die Richterin den Ermittler. Dessen Antwort war deutlich: „Nein.“ Der Kripo-Beamte musste auch einräumen, dass man zwar vermeintliche Überreste wie einen geschmolzenen Mülltonnenboden entdeckt hatte, dass diese Stücke dem Brand-Gutachter aber nicht präsentiert wurden.

Die Aufklärung des Brandverlaufs ist deshalb so wichtig, weil die Verteidigung von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt ist. Der Angeklagte habe zwar unter Druck der Vernehmer ein Geständnis abgelegt – das ihm bekanntlich eine zehnwöchige Untersuchungshaft eingebracht hatte –, doch „das Täterwissen ist falsch“. Das werde sich schnell herausstellen, erklärte der Anwalt und kritisierte, dass die Anklage bislang keine weiteren Beweismittel vorgelegt hätte.

An den ersten beiden Verhandlungstagen hatten bereits drei Belastungszeugen ihre Aussagen widerrufen. Und auch gestern hielt die Richterin dem Kripo-Beamten vor: „Es besteht der Verdacht, dass Sie sich sehr schnell auf K. als Täter festgelegt haben.“

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erstellt am 29.Aug.2016 | 18:42 Uhr

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