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Kiel

10. Dezember 2016 | 04:20 Uhr

Wohnungsbau in Kiel : Stöcken: „Wir müssen schnell handeln“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Angesichts der fehlenden bezahlbaren Wohnungen mahnt Stadtrat Gerwin Stöcken zur Eile. Gegenwärtig kann die Neubautätigkeit mit dem wachsenden Bedarf nicht mithalten. Die Stadt will deshalb schon im nächsten Jahr im Wohnungsbau tätig werden.

In der Landeshauptstadt fehlt es an Wohnungen. Im Gegensatz zu den Vorjahren hat sich zwar eine rege Bautätigkeit entwickelt, doch selbst das steigende Angebot an Wohnraum kann die stark wachsende Nachfrage nicht ausgleichen. So steht es in der Mitteilung, die Stadtrat Gerwin Stöcken gestern Abend der Kieler Ratsversammlung vorlegte. Stöcken appellierte an die Ratsmitglieder: „Wir müssen schnell handeln.“ Andernfalls drohen soziale Verwerfungen, ausgelöst unter anderem durch kräftig steigende Mieten, die viele Menschen in der Zukunft schlichtweg nicht mehr aufbringen könnten.

Die Gründe, weshalb beim Wohnraum die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer größer wird, sind laut Stöcken vielfältig. Es hängt nach seinen Worten mit den Flüchtlingen zusammen, aber eben auch mit dem doppelten Abitur-Jahrgang, der seit den Sommerferien auf der Suche nach passenden Studentenbuden ist – was in einer Universitätsstadt naturgemäß stärker durchschlägt als anderswo. Vor allem aber ist Kiel mittlerweile so beliebt, dass es kräftigen Zuzug aus dem Umland und aus anderen Bundesländern gibt. „Kiel ist eine wachsende Stadt“ – mit diesem Satz weisen die Rathaus-Oberen immer wieder gerne auf den guten Ruf der Stadt an der Förde hin.

In den vergangenen Jahren hat es, so Stöcken, zwar 2200 bis 2400 Baugenehmigungen gegeben, aber die Quote fertiger Wohnungen hinkt deutlich hinterher: Schätzungsweise 400 sind es in diesem Jahr. Quer durch sämtliche Ortsbeiräte will Stöcken auf Werbetour für den Wohnungsbau gehen. Die Zeit drängt. Wörtlich sagte der Stadtrat, zuständig für Soziales: „In zehn Jahren ein neues Baugebiet – das hilft uns heute nicht weiter.“

Die Stadt hatte bereits angekündigt, dass sie demnächst selbst Wohnungen bauen will. In erster Linie nach dem sogenannten „Kieler Modell“, einem Standardverfahren für preiswerten Wohnraum. Von 220 Wohnungen ist bereits die Rede (wir berichteten), der erste Spatenstich für die ersten Einheiten am Schusterkrug in Friedrichsort oder auf dem Ostufer in Wellingdorf soll bereits im Frühjahr erfolgen.

SPD-Fraktionschef Hans-Friedrich Traulsen sprang seinem Parteifreund Stöcken gestern zur Seite. „Wir haben keine Wohnungsnot, aber eine angespannte Lage. Deshalb müssen wir jetzt reagieren.“ Traulsen hat die Hoffnung, dass der Wohnungsbau-Atlas überall in den Beiräten eine starke Beachtung findet, denn: „Es ist auf diese Weise schon manch Baugrundstück mehr entdeckt worden.“

Vor einer Wohnraum-Unterversorgung warnen im Übrigen auch die im IVD (Immobilien-Verband Deutschland) Nord zusammengeschlossenen Makler. Die Folge spiegelt sich in den gestiegenen Preisen wider. „Insbesondere im Kieler Norden scheint die Nachfrage nach hochwertigen Eigentumswohnungen kein Ende zu nehmen“, so Björn Petersen, IVD-Vizepräsident und selbst Immobilienmakler in der Landeshauptstadt.

Laut IVD-Studie bleibt der Trend zum Stadtleben populär, ein knappes Angebot und steigende Nachfrage diktieren den Preistrend weiterhin nach oben. „Vor allem westlich der Förde spielt hier die Musik“, so Petersen. Die aktuellen Nettokaltmieten für eine Bestandswohnung in Kiel liegen zwischen 6,30 und 9,80 Euro je Quadratmeter. Beim Einzug in einer Neubau-Mietwohnung werden aber schon 9 bis 11 Euro fällig. Und für Spitzenobjekte in Toplagen werden auch schon 14 Euro gezahlt. Günstiger als auf dem Westufer ist es am Ostufer. IVD-Experten vor Ort berichten, dass insbesondere kleine Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern gezielt gesucht werden – nicht allein von Studenten. Aber auch große Wohnungen mit mindestens vier Zimmern sind stark nachgefragt.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 20:11 Uhr

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