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Kiel

04. Dezember 2016 | 11:22 Uhr

Strassenname : Stadt ehrt Widerstandskämpferin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die neue Straße am künftigen Sport- und Freizeibad an der Hörn soll den Namen der früheren KPD-Aktivistin Anni Wadle erhalten. Die CDU hält zwar dagegen und verlangt eine politische neutrale Bezeichnung. Doch die Mehrheit in der Ratsversammlung pro Anni Wadle gilt als gesichert.

Die Landeshauptstadt will die neue Straße am Sport- und Freizeitbad an der Hörn nach einer Widerstandskämpferin benennen. Besucher der im Bau befindlichen Einrichtung – Eröffnung geplant für Ende 2017 – werden wohl künftig den „Anni-Wadle-Weg“ benutzen. Heiner Wadle, einziger Sohn von Anni und Heinrich Wadle, lebt heute in Neumünster-Einfeld. Er freut sich über die Ehrung seiner Mutter: „Sie war eine stille Frau im Hintergrund.“ Die CDU allerdings will den Anni-Wadle-Weg verhindern. Sie verlangt mit der Bezeichnung „An der Hörn“ eine politisch neutrale Namensgebung, konnte sich aber bisher nicht durchsetzen. In der Ratsversammlung gilt eine Mehrheit pro Anni Wadle als gesichert.

Vergeblich hatte CDU-Mann Wolfgang Homeyer im Bau-Ausschuss für seinen Vorschlag geworben. Anni Wadle sei eine „politisch exponierte Person“, ihren Namen hält die Union „für einen politisch neutralen Ort“ für ungeeignet. Geeigneter sei eine geographische Bezeichnung, die eben auch auswärtigen Besuchern Auskunft über die Lage der Straße am Sport- und Freizeitbad gebe.

Doch die Mehrheit aus SPD, Grünen und SSW – verstärkt durch die Linke – hielt dagegen. Sie wusste sich auch einig mit Bruno Levtzow (SPD), dem Vorsitzenden des Ortsbeirates Gaarden. Und in Annegret Bergmanns 2007 veröffentlichtem Buch „24 Portraits herausragender Frauen aus der Kieler Stadtgeschichte“ ist der Widerstandskämpferin ein eigenes Kapitel gewidmet.

Im Vorwege der drohenden politischen Auseinandersetzung hatten die Initiatoren der geplanten Namensgebung das Stadtarchiv um eine kritische Würdigung der kommunistischen Widerstandskämpferin gebeten. Ihr Leiter Johannes Rosenplänter bescheinigt Anni Wadle „einen Mut, den der bei weitem größte Teil der noch demokratisch gesonnenen Kreise damals nicht aufgebracht hat“. Darin liege ihr Vorbildcharakter – auch wenn sich ihr politisches Engagement „am äußersten linken Rand bewegte“.

Anni Wadle, 1909 in Itzehoe geboren und 2002 in Neumünster verstorben, gehörte gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinrich zu den lokalen Funktionären der KPD. Sie leitete schon als junge Frau die Pioniergruppen in Kiel und in Gaarden, arbeitete für die KPD-Zeitung „Norddeutsches Echo“ und geriet, wie ihr Sohn Heiner sagt, schon früh in die Fänge der braunen Justiz. Der ersten Verhaftung von Ende 1932 folgte zwei Jahre später die erneute Festnahme, als die Kurierin mit illegalen Flugblättern entdeckt wurde. Im KZ Fuhlsbüttel und vor allem während der „Schutzhaft“ im KZ Moringen wurde sie schwer gefoltert. Die Nationalsozialisten wollten Namen wissen. Doch „sie hat niemanden verraten“, sagt Heiner Wadle. 1937 wurde sie entlassen. Als Spätfolge der Folter litt Anni Wadle zeitlebens unter Schwerhörigkeit. Während des Krieges verlor sie ihre Eltern, ein ungeborenes Kind und drei ihrer vier Brüder.

Die Familie Wadle lebte nach dem Kriege zunächst am Ostring in Gaarden und richtete sich später ein Behelfsheim in Einfeld her. Anni Wadle unterstützte ihren Mann bei der politischen Arbeit und engagierte sich bis ins hohe Alter bei der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN). In gewisser Weise setzt ihr einziger Sohn Heiner diese Arbeit fort. Der Sprecher im Bündnis gegen Rechts in Neumünster ist schon ein bisschen stolz über die Ehrung für seine Mutter. Mit Blick auf den Nationalsozialismus hält er fest: „So etwas darf sich nie wiederholen.“  

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erstellt am 18.Okt.2016 | 21:09 Uhr

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