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Kiel

10. Dezember 2016 | 21:32 Uhr

Sozialbericht : Stadt baut 220 Billig-Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gerwin Stöcken stellt den Mietmarkt ins Zentrum des jüngsten Sozialberichtes. „Daten für Taten“ heißt es im Untertitel. Die Ansage ist klar: Ohne beherztes Eingreifen von Seiten der Stadt sieht der Dezernent Gefahren für den sozialen Frieden.

Sozialdezernent Gerwin Stöcken bricht mit Traditionen im Rathaus. Der siebte städtische „Sozialbericht“ fällt deutlich schlanker aus als alle seine Vorgänger und bietet dennoch mehr als eine bloße Sammlung von Statistiken. Die 60-seitige Broschüre soll gut lesbar sein, Orientierung auch in den Stadtteilen bieten – und sich mit einem Schwerpunktthema beschäftigen. Das ist für Stöcken aktuell die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt.

Der Dezernent sieht auf Dauer sogar den sozialen Frieden bedroht. „Wir müssen verhindern, dass die Mieten durch die Decke gehen“, erklärt Stöcken. Studenten, Flüchtlinge, Zuzügler – den Prognosen zufolge wird es in den nächsten Jahren über 20  000 Neu-Kieler geben. Das verschärft den Preisdruck. „Ohne Intervention besteht die Gefahr, dass es zu einer Verdrängung von Familien und Haushalten aus den besonders nachgefragten Stadtteilen kommt“, so Stöcken. Sein Referent Lutz Richter erinnert daran, dass etwa 20 Prozent aller Kieler in prekären Haushalten leben, sie können sich stark steigende Mieten schlichtweg nicht leisten. Folgerung: Die Stadt will mit eigenen Bauvorhaben dafür sorgen, dass auch die benachteiligten Menschen ein bezahlbares Dach über dem Kopf finden. Auf neun städtischen Grundstücken soll noch in diesem Jahr das Fundament für 220 Wohnungen nach dem sogenannten „Kieler Modell“ gelegt werden.

Der Lange Rehm in Dietrichsdorf, ein Areal am Pötterweg in Wellsee, die Schlimbachallee in Schilksee: Hier und an sechs anderen Standorten soll preiswerter Wohnraum entstehen. Als Richtwert dienen Stöcken und seiner Mannschaft maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter an Brutto-Miete. Oder umgerechnet 350 Euro für die Zwei-Zimmer-Wohnung mit ihren 50 Quadratmetern. Der erste Spatenstich soll noch in diesem Jahr erfolgen – der Sozialbericht trägt nicht zufällig den Untertitel „Daten für Taten“. Konkurrenz-Probleme etwa mit Haus & Grund oder den Wohnungsbaugesellschaften sieht Stöcken im Segment preiswerter Wohnungen nicht. Aber akuten Handlungsbedarf: „Die Stadt gehört nicht nur denen, die viel Geld haben.“

Ob nun der Anteil der Arbeitslosen, der Sozialgeldempfänger oder einfach der Erstklässler mit einem schlechten Gebiss – in vielen Statistiken stehen die Problem-Quartiere Mettenhof und Gaarden ganz oben. Aber das ist für eine Stadt wie Kiel nicht die ganze Wahrheit. Überraschend ist zum Beispiel, dass in Schilksee der Anteil der alten Menschen an der Bevölkerung so hoch ist wie nirgendwo. Und in Alt-Suchsdorf oder Kroog gibt es keine funktionierende Nahversorgung mehr – auch hier sieht der Sozialdezernent die Stadt gefordert.

 

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erstellt am 03.Jul.2016 | 18:05 Uhr

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