zur Navigation springen

Kiel

11. Dezember 2016 | 09:05 Uhr

Überfälle auf Juweliere : Staatsanwalt fordert hohe Strafen für Pfandhaus-Räuber

vom

Haftstrafen zwischen drei und fast zwölf Jahren - das ist die Forderung der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen eine Gruppe mutmaßlicher Räuber. Sie sollen brutal Juweliere in Düsseldorf und Kiel überfallen haben.

Schleswig | Im Prozess gegen eine Gruppe mutmaßlicher Räuber hat die Staatsanwaltschaft Kiel für die elf Angeklagten mehrjährige Haftstrafen gefordert. Für einen 33 Jahre alten Mann, der an den brutalen Überfällen in Düsseldorf und Kiel beteiligt gewesen sein soll, verlangte Staatsanwalt Christopher Sievers am Dienstag eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Jahren und elf Monaten. Für die anderen Angeklagten hält die Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen drei und neuneinhalb Jahren für angemessen. Verhandelt wird aus Platzmangel unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in Räumen des Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Zuständig ist aber das Landgericht Kiel.

Die Männer sollen in kleinen Gruppen und wechselnder Zusammensetzung 2014 am helllichten Tag brutal ein Pfandleihhaus in Kiel und einen Juwelier in Düsseldorf überfallen und Schmuck und Bargeld im Wert von mehreren Hunderttausend Euro erbeutet haben. Der Düsseldorfer Ladenbesitzer wurde lebensgefährlich verletzt. Ein Überfall in München konnte verhindert werden. „Wir reden hier über etwas anderes als über eine Betrugsserie“, betonte Sievers. „Wir haben schwer individuell Geschädigte.“

Sievers hatte seinen Schlussvortrag in drei Teile gesplittet und die jeweilige Beteiligung der Angeklagten an den Taten in Düsseldorf und Kiel sowie an dem geplanten Überfall in München aus seiner Sicht geschildert. Die Verlesung zog sich über drei Prozesstage. Aus den Einzelstrafen wurden Gesamtstrafen gebildet. Denn trotz eines Kronzeugen ist es in dem Verfahren mit rund 60 Beteiligten laut Staatsanwaltschaft nicht gelungen, die Männer als kriminelle Vereinigung anzuklagen.

Die Männer waren zu schweigsam. Nur jene, die bei den Überfällen auf Videoaufzeichnungen zu sehen waren, haben (Teil-)Geständnisse abgelegt. Ansonsten wurden in dem Prozess, der im November begonnen hatte, Indizien zusammengetragen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft waren die Männer, die in die Läden gingen, „austauschbare Werkzeuge“. Hintermänner hätten die Taten langfristig geplant. Aus Litauen seien die Trupps durch halb Europa gereist, um hier die Taten „fast industriell“ zu begehen.

Aus einer Berlin Wohnung seien die Teams gesteuert worden, sagte der Staatsanwalt über die wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und der Beihilfe dazu angeklagten Männer im Alter zwischen 22 und 40 Jahren. Fast alle Angeklagten sind, oft einschlägig und in verschiedenen Ländern, vorbestraft.

Am Mittag hatte die Verteidigung eines Angeklagten, der an der Düsseldorfer Tat beteiligt gewesen sein soll, mit ihren Plädoyers begonnen. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn eine Strafe von acht Jahren gefordert. Der Rechtsbeistand plädierte hingegen auf Freispruch. „Es war eine nicht schlecht erzählte Geschichte“, sagte er mit Blick auf Sievers' Plädoyer.

Es könne so gewesen sein, wie die Staatsanwaltschaft behauptet, aber es fehlten die Beweise. Er kritisierte vor allem, dass die Anklagebehörde den Aussagen des Kronzeugen so viel Gewicht beimisst. „Menschen können irren, verdrängen, sich die Welt schön reden“, sagte er. „Und Menschen können lügen.“ Der Mensch sei ein schwaches Beweismittel. Zudem habe der Kronzeuge, der ja selbst Angeklagter ist, ein eigenes Interesse an seiner Geschichte.

Der Anwalt des als Nebenkläger auftretenden Kieler Pfandleihhaus-Mitarbeiters forderte am Dienstag für die Männer, die an dieser Tat beteiligt gewesen sein sollen, langjährige Haftstrafen.

Am Freitag werden weitere Plädoyers der Verteidiger erwartet. Ein Urteil gegen die elf mutmaßlichen Räuber soll voraussichtlich am 19. Juli verkündet werden. Das Verfahren gegen einen zwölften Angeklagten wurde abgetrennt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 28.Jun.2016 | 12:08 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert