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Kiel

28. Juli 2016 | 18:22 Uhr

Umweltminister Robert Habeck vs. Kiter : Sportler: „Es gibt keine Einigung zum Thema Kiteverbot in SH“

vom

Beim Thema Kiten brodelt es weiter: Jetzt fordern die Sportler von Habeck einen Nachweis, dass Kiten der Umwelt tatsächlich schadet.

Neun Tage nach dem Treffen der Kiter mit Umweltminister Robert Habeck gehen die Sportler am Freitag in einer Stellungnahme auf Distanz zu einem möglichen Konsens in Bezug auf geplante Kiteverbotszonen in Schleswig-Holstein. Hintergrund sind die von Habeck und Umweltverbänden geforderten Verbotzonen für Kiter vor allem in der Nordsee, gegen die sich die Sportler schon lange wehren.

Kitesurfen zieht eine besondere Zielgruppe an Touristen nach Schleswig-Holstein. Wenn die Trendsportart eingeschränkt wird, bestünde das Risiko, dass die Sportler sich andere Ziele suchen.

Die Kiter betonen in ihrem Schreiben, dass im Gespräch mit Robert Habeck am 10. Februar keine Einigung zum Thema Kiteverbot gefunden worden sei. Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur) habe auch nach einem fast dreistündigen Gespräch keinen plausiblen Nachweis über Störungen der Tierwelt und Pflanzenwelt durch Kiter vorbringen können, beklagen sie. Eine Begründung für die von Habeck geforderten Verbotszonen stehe damit noch immer aus.

In der Pressekonferenz habe man sich lediglich auf Folgendes verständigen können: dass die Begrifflichkeit eines „generellen Kiteverbots“ ad acta gelegt wird, dass dort, wo bislang gekitet wurde, auch weiterhin gekitet werden darf und dass man weiter im Gespräch bleibt.

Im daran anschließenden Umwelt- und Agrarausschuss habe Habeck dann doch wieder gesagt, an Verbotszonen festhalten zu wollen. 

Die Sportler fordern, dass Habeck neue Erkenntnisse zur Störwirkung von Kitesurfen vorlegt. „Eine neue Befahrensordnung auf Basis einer fragwürdigen wissenschaftlichen Grundlage zu erstellen, ist für die vertretenden Vereine und Verbände nicht nachvollziehbar“, schreiben sie. „Es ist und bleibt unverhältnismäßig.“

Habeck selbst zeigt sich über die Anschuldigungen verwundert. „Das Ministerium hält sich an die gemachten Zusagen“, gibt er in einer Pressemitteilung bekannt. Es werde kein generelles Kite-Verbot geben und keine zeitlichen Befristungen. „Das haben die Kiteverbände mir immer als ihre Hauptsorge geschildert, dieser werden wir vollumfänglich Rechnung tragen und arbeiten entsprechend einen Vorschlag aus“, so Habeck weiter. Der vorgestellten Kulisse der Kitegebiete sei im gemeinsamen Gespräch explizit nicht widersprochen worden.

Laut Habeck habe eine Reihe von Gutachten belegt, dass Kitesurfen Vögel bei der Nahrungsaufnahme stören kann und sich damit negativ auf die Vogelwelt auswirkt. „Eine Aufbereitung der Gutachten werden wir den Kitern zeitnah zur Verfügung stellen“, heißt es. Im Übrigen habe schon die CDU/FDP-geführten Landesregierung 2010 auf der trilaterale Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres im damaligen im Wattenmeerplan eine Regulierung des Kitesurfens als notwendig erachtet und gefordert.

Das ist die Vorgeschichte:

Um Tiere zu schützen, soll das Kiten an einigen Stellen verboten, an anderen eingeschränkt werden. Der Grund: Naturschützer befürchten, dass sich Tiere durch die großen Segel der Kitesurfer bedroht fühlen. Ärger hatte Habeck mit diesem Vorschlag vor allem an der Westküste auf sich gezogen. Seine Nationalparkverwaltung strebt dort ein grundsätzliches Kite-Verbot an. Nur in weniger sensiblen Bereichen möchte sie es als Ausnahme erlauben. Dazu laufen letzte lokale Abstimmungsrunden mit Kommunen, Naturschützern, Touristikern und Wassersportlern. Genehmigen müsste neue Regeln das Bundesverkehrsministerium. Im Januar hatten die Kite-Verbände daher 22.000 Protestunterschriften gegen die Verbote an den Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann übergeben.

Das zeigte Wirkung: Kurz darauf ließ dich Robert Habeck auf ein Gespräch ein. Am 10. Februar traf er sich mit den Kitern, um mit ihnen über Lösungen zu diskutieren. Nach dem Gespräch zeigte er sich optimistisch und sagte wörtlich: „Niemand will das Kitesurfen verbieten.“

Dass man sich einig geworden sei, streiten die Kiter allerdings ab. Man habe sich lediglich darauf verständigen können, im Gespräch zu bleiben.

 

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erstellt am 19.Feb.2016 | 18:50 Uhr

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