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„Borowski und das dunkle Netz“ in der ARD : So twittert die Polizei SH über den Kieler Tatort

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Klaus Borowski ermittelt und die Polizei SH twittert mit. So lief die Aktion zwischen TV-Kritik und Polizei-PR.

Kiel | Das war ein Tatort aus Kiel, der polarisierte! „Dieser ,Borowski‘ hat alles, was amtlichen Nervenkitzel guttut“ hieß es etwa in Schleswig-Holstein am Sonntag. Aber auch: „Schauspielerin Sibel Kekilli hat gesagt, dass sie neue Rollen sucht – bei solchen Fällen ist das kein Wunder...“ (SWR3). Für die 36-jährige Schauspielerin war es der letzte Tatort. Kekilli steigt freiwillig aus, um sich neuen Rollen zu widmen. Doch neben der TV-Kritik der Medien wurde vor allem das Urteil der schleswig-holsteinischen Landespolizei erwartet. Das Social-Media-Team der Polizei, eine Expertin für digitale Spuren und ein erfahrener Mordermittler vom Landeskriminalamt Kiel (LKA) kommentierten den Tatort live auf Twitter.

Wir haben uns angeschaut, wie sich die wahren Cyber-Ermittler im Netz geschlagen haben.

Großes Lob gibt es schon im Vorfeld vom Regisseur der Folge „Borowski und das dunkle Netz“, David Wnendt (bekannt durch Filme wie „Feuchtgebiete“ und „Er ist wieder da“): „Eine wirklich gut Idee... Warum gab es das nicht schon öfters?!“, kommentierte er – und zeigte sich offen für Zuschauerreaktionen:

 

Auch die Kieler Handballer vom THW Kiel machten Werbung für den TV-Krimi, wurde schließlich in der ausverkauften Sparkassen-Arena eine wilde Verfolgungsjagd mit Kommissarin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) „unglaublich aufwendig“ gedreht.

 

Für die „Twitterschicht” hat sich das Team der Landespolizei offenbar gut vorbereitet. Will man die Aktion doch ganz offensichtlich als PR für die schleswig-holsteinische Polizeiarbeit nutzen. Wenn Borowskis „Kollegen“ außerhalb der Bildschirme auf 94,1 Prozent Aufklärungsquote kommen, sollte es dem TV-Duo doch auch gelingen:

 

Während sich die meisten Kommentatoren auf Twitter über den Dialog „Ich bin die Rosi, willst du ficken?” wahlweise amüsieren oder echauffieren, schießen die Beamten von der richtigen Polizei ein wahres Info-Feuerwerk ab. Wer tötet häufiger? (Männer 86 Prozent, Frauen 14 Prozent) Was macht einen Mord zum Mord? (Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier usw.) Wer übernimmt in Schleswig-Holstein die Spurensicherung? (die Kriminaltechnik in Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe)

 
 

Das ist alles informativ, wirkt aber, als würde jemand am Sofa vorbeischauen und dem geneigten Tatort-Zuschauer einen Info-Flyer in die Hand drücken. Tweets wie diese bleiben unkommentiert:

 

Borowski macht Bekanntschaft mit den Nerds aus der Abteilung Cyber-Crime, da gibt es doch eine Reaktion mit direktem Bezug. Wie ein Gehege für Nerds sieht ein typisches Büro beim LKA Kiel nicht aus. In Sachen Funktionalität kommt es aber doch an die TV-Version heran.

 

Dann der Beweis: Das Presseteam der Landespolizei hat seine Hausaufgaben gemacht und den Tatort im ARD-Vorführraum vorab gesehen:

 

Jetzt wird es kompliziert. Neben dem Presse-Team kommentiert die Cyber-Ermittlerin vom Kieler LKA offenbar auf ihrem eigenen Account. Da wird es schon spannender: Gibt es in Kiel auch so arrogante LKA-Typen?

 

Wie arbeitet es sich dort eigentlich so?

 

Sporadisch gibt es auch etwas Interaktion. Den Gender-Vorwurf will man sich in Kiel nicht machen lassen:

 

Das Internet dreht frei. Hoteldame Rosi wird nackt in einem Hotelzimmer gezeigt. Die ersten rufen „Skandal um Rosi“. Es ist ein bisschen wie auf dem Schulhof nach einer halben Stunde „Tatort“. Die @Polizei_SH:

 

Borowski stöbert durch die Asservatenkammer und prompt werden Erinnerungen wach: Diese Woche wurde bekannt, dass beim LKA Schleswig-Holstein Rocker-Kutten aus der Asservatenkammer verschwunden sind, weil der Schlüssel dafür unter einem Blumentopf verwahrt wurde. War das etwa DIE Asservatenkammer gerade im Kieler Tatort? Die Polizei_SH reagiert kurz aber eindeutig:

 

Bei Borwoski wurde gerade das LKA gehackt. Die Hashtags #Tatort, #Darknet und #Borowski führen die Twitter-Trends an. Gleich gefolgt: „Sendung mit der Maus“. Die nicht gerade subtilen Einspieler von Drehbuchautor Thomas Wendrich und Regisseur David Wendt, die das Darknet zu erklären, kommen wohl nicht so gut an. Interessant: Die Landespolizei gibt Einblick in die Analyse von Handys als Beweismittel:

 

Auf die Frage, ob die Beamten auch Knäckebrot auslesen könnten heißt es “Kommt auf den Belag an J.” Am Ende gibt es dann doch viele Nutzerfragen: Arbeiten Ermittler ohne Handschuh am Tatort? „Serbstverständlich nicht.“ Mit welchen Rechnern arbeitet die Polizei? „Schnelle Rechner.“ Ein Tatverdächtiger erhängt sich in der Untersuchungshaft. „Mehr Geständnis geht nicht“, sagt der Polizeipräsident. Und die Polizei_sh?

 

Das war viel Stoff für einen komplizierten TV-Tatort. Unser Fazit: Das Social-Media-Team von @Polizei_SH hat sich wacker geschlagen, war aber sehr um seine Öffentlichkeitsarbeit bemüht. Für das Begleitprogramm eines Krimis hätte etwas mehr Humor nicht geschadet. In diesem Sinne fällt dann auch die Kurzkritik der Beamten am Ende aus:

 

 

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erstellt am 19.Mär.2017 | 22:25 Uhr

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