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Kiel

26. September 2016 | 07:21 Uhr

Siebenjährige : Sexueller Missbrauch in Kiel: Was passierte, wie es weiter geht

vom

Ein 30-Jähriger soll in Kiel-Gaarden ein siebenjähriges Mädchen verschleppt und sexuell missbraucht haben. Fragen und Antworten zum Fall.

Kiel | Im Fall des Kieler Kindesmissbrauchs hat der Täter nach jüngsten Erkenntnissen der Polizei gleich zwei Mädchen angesprochen. Eines sei nicht mitgegangen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die Siebenjährige aber folgte dem 30-Jährigen am Sonntag schließlich in dessen Wohnung. Dort soll es zu dem schweren sexuellen Missbrauch gekommen sein. Danach hatte er das Mädchen den Angaben zufolge freigelassen haben.

Fragen und Antworten zu dem Fall:

Warum war der Mann nach dem ersten Übergriff so lange auf freiem Fuß?

Am 6. Januar wandte sich ein fünfjähriges Mädchen im Awo-Kindergarten Kiel Gaarden an einen Betreuer und berichtete ihm von einem Übergriff. Bereits damals rückte der 30-Jährige ins Visier der Ermittler. Die Angaben des Mädchens waren laut Staatsanwaltschaft zunächst aber nicht konkret. „Es gab Probleme bei der örtlichen und personellen Zuordnung der Tat“, sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Bei einer späteren Anhörung des Mädchens bei der Polizei ließen sich aber alle Widersprüche aufklären. Die Tat konnten dem Mann zugerechnet werden. „Zum damaligen Zeitpunkt haben wir jedoch keine Haftgründe gesehen, weil die Person strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten ist - jedenfalls nicht wegen Gewaltdelikten oder einer Sexualstraftat“, sagt Bieler.

Warum hat die Kieler Polizei die Eltern nicht gewarnt?

Weil der Mann sehr schnell nach dem ersten Übergriff als Tatverdächtiger galt, sah die Polizei nach eigenem Bekunden keinen Grund, sich mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit zu wenden.

Die Polizei sieht sich aber mit Vorwürfen konfrontiert. Nun betont sie, der Mann sei binnen 48 Stunden nach dem Fall vom Sonntag, wo das Mädchen auf einem Schulhof angesprochen worden war, in Haft gekommen. „Das ist ein unglaublicher Erfolg für die Ermittler“, sagt Polizeisprecher Matthias Arends Ist der Schulhof sonntags öffentlich zugänglich? Der Schulhof wird von Kindern auch an Wochenenden als Spielplatz genutzt.

Ist der Tatverdächtige für weitere Missbrauchsfälle verantwortlich?

Die Ermittler rechnen dem Mann derzeit nur diese beiden Fälle zu. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass der Mann für keine weiteren Taten infrage kommt“, sagt Polizeisprecher Arends.

Wie hat der Täter die Mädchen angesprochen?

Der Mann hatte eine Puppe in der Hand als er am Sonntagvormittag zwei Mädchen auf dem Schulhof ansprach. Die Siebenjährige lockte er dann nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler unter einem Vorwand in seine Wohnung. Das andere Mädchen folgte ihm jedoch nicht.

Warum spricht die Staatsanwaltschaft von schwerem sexuellen Missbrauch und nicht von Vergewaltigung?

Das ist eine juristische Einordnung. Der Haftbefehl lautet auf schweren sexuellen Missbrauch in zwei Fällen. Nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft ist auf die beiden kleinen Mädchen „nicht gewaltsam eingewirkt worden, um die Tat zu begehen“. Sie sollen von dem Mann demnach zuvor auch nicht bedroht worden sein.

Was passiert jetzt mit dem Mann?

Das Amtsgericht Kiel hat angeordnet, dass ein Gutachter die Schuldfähigkeit des Mannes prüfen soll. Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würde der Kieler in eine forensische Einrichtung gebracht werden. Bislang ist er in einer Justizvollzugsanstalt untergebracht.

 

Der 30-Jährige soll weiter vernommen werden. Bislang hat er sich nicht zur Tat eingelassen. Außerdem sollen mögliche Zeugen befragt werden.

Ein Haftrichter hatte am Dienstag Haftbefehl gegen den Mann erlassen. Ein Gutachter soll nun klären, ob eine psychische Erkrankung vorliegt. Dann würde er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.

Verstörend: Die Tat hätte nicht passieren müssen. Der Verdächtige soll bereits Anfang Januar eine Fünfjährige missbraucht haben. Er wurde ermittelt, kam aber nicht in Haft. „Das ist mehr als tragisch“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler am Dienstag. „Wir bedauern das sehr.“

(mit dpa)

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erstellt am 03.Feb.2016 | 15:26 Uhr

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