zur Navigation springen

Kiel

03. Dezember 2016 | 18:50 Uhr

Airbnb in Kiel : Segelboot statt Hotelzimmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

200 Kieler bieten ihre Unterkünfte auf der von Hoteliers kritisierten Internet-Plattform zur Übernachtung an. Ein Student vermietet jetzt seine Yacht an Urlauber.

Auf der Förde, direkt gegenüber vom Kieler Yachtclub, gibt es seit Kurzem eine Übernachtungsmöglichkeit der besonderen Art: das neun Meter lange Segelboot von Ilja Bode. Der Nautik-Student vermietet sein Boot über die Buchungsplattform Airbnb, auf der Privatpersonen ihre Unterkünfte für Touristen anbieten. Er ist einer von knapp 200 Nutzern in Kiel, die so ihr ganzes Haus, WG-Zimmer, Wohnung oder eben das eigene Boot als Schlafplatz zur Verfügung stellen. Für den Studenten ist dies eine unkomplizierte Einnahmequelle, mit der er die Liegeplatzgebühren seiner zwei Boote finanziert. „Und wenn die Saison weiter so gut läuft, bleibt am Ende sogar noch etwas übrig“, sagt er.

Seit März bietet der 29-Jährige die vier Kojen als Schlafplatz an, im Sommer sind sie schon fast ausgebucht. Dabei seien es längst nicht nur Kieler-Woche-Besucher oder Abenteuer-Urlauber, die ein paar Nächte auf dem Wasser verbringen wollen. „Ich war wirklich überrascht, wer sich alles bei mir meldet. Letztens war es ein Anwalt, der auf einer Tagung im Maritim Hotel war und abends einfach seine Ruhe haben wollte“, erzählt Bode.

Auf die Idee ist der gebürtige Bremer selbst durch die Nutzung der Online-Plattform gekommen. Bei einer Reise durch die USA hat auch er in Privatwohnungen und Häusern von Amerikanern geschlafen. „Es ist unkompliziert und oft günstiger. Das lockt natürlich.“ Der Aufwand für die Vermietung sei für den Studenten sehr gering. Bettwäsche wechseln, Boot säubern, ein paar Telefonate führen – mehr nicht. Dusche, Toilette und Waschmaschine können beim Hafenmeisterbüro genutzt werden. Sogar Wlan ist vorhanden. Manchmal trifft Ilja Bode seine Gäste nicht einmal. Sie bekommen den Code für das Zahlenschloss zugeschickt sowie eine Liegeplatzbeschreibung. Neben dem besonderen Erlebnis lockt auch der Preis: 59 Euro zahlen die Gäste pro Nacht für zwei Personen.

Viele Hotels können da nicht mithalten. Deshalb sind auch nicht alle von dem Airbnb-Konzept begeistert. Die Plattform ist den Hotelbesitzern schon lange ein Dorn im Auge. „Für unsere Branche ist es wirklich ein Ärgernis. Die zahlreichen Angebote sorgen für eine Wettbewerbsverzerrung“, sagt Stefan Scholtis, Geschäftsführer des Hotel-und Gaststättenverbands Schleswig-Holstein (Dehoga). Er fordert die Politik auf, gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Schließlich müssten sich gewerbliche Betriebe an strikte Auflagen – zum Beispiel in den Bereichen Hygiene, Brandschutz und Personal – halten. Für Privatanbieter wie Ilja Bode gebe es solche Vorgaben nicht. So könnten sie ihre Unterkünfte deutlich günstiger anbieten. „Der Branche geht dadurch natürlich viel verloren“, so Scholtis. „Wir monieren nicht, dass es noch andere Anbieter gibt. Uns stört die Wettbewerbsverzerrung. Es muss sich etwas ändern.“

Die Plattform „Airbedandbreakfast“ – kurz Airbnb – wurde 2008 in Kalifornien (USA) gegründet. Das Reservierungssystem gibt privaten Anbietern die Möglichkeit, ihre Unterkünfte zur Vermietung anzubieten. Dabei stellt die Online-Plattform den Kontakt zwischen Gast und Gastgeber her und sorgt für die Buchungsabwicklung per Kreditkarte – die Vermittlung funktioniert nur gegen eine Gebühr, versteht sich. Nach Angaben von Airbnb stehen auf der Website inzwischen mehr als zwei Millionen Inserate in knapp 200 Ländern zur Verfügung. Die Plattform lässt sich auch als App fürs Smartphone nutzen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Jul.2016 | 06:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen