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Kiel

05. Dezember 2016 | 05:33 Uhr

Prozess in Kiel : Schwer verletzt beim Sado-Maso-Sex

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Frau stürzt gefesselt mit dem Gesicht auf den Boden. Ihr damaliger Partner steht deshalb vor Gericht.

Kiel | Mit einem äußerst delikaten Verfahren hatte es das Kieler Landgericht am Montag zu tun. Eine 37-jährige Frau hatte geklagt, weil sie bei Sex-Spielen mit Sado-Maso-Ausrichtung schwer gestürzt war und sich zwei Schneidezähne ausgeschlagen hatte. Ihren damaligen, einige Jahre älteren Liebhaber hatte das Amtsgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen fahrlässiger Körperverletzung bereits zu einer Geldstrafe von 2800 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft, die auf Nötigung geklagt hatte, erwartet von der öffentlichen Berufungsverhandlung vor dem Landgericht nun ein härteres Urteil.

Über eine einschlägige Erotik-Plattform im Internet hatten sie sich kennen gelernt: er, der große kräftige Mann, sie, die um mehr als einen Kopf kleinere Frau. Die „Aufgabenverteilung“ war von Beginn klar. „Ich spielte die devote Rolle, die Sklavin“, gab die 37-Jährige vor Gericht zu Protokoll. Ihr Partner, der auch den Koffer mit den nötigen Sex-Utensilien mit in die Beziehung brachte, fesselte und schlug sie – durchaus mit ihrem Einverständnis.

Er hielt sich nicht an das Code-Wort

Gemeinsam hatte das Paar eine klare Grenze festgelegt. Jammern und Klagen war als fester Bestandteil des Sex-Abenteuers gewollt, doch beim entscheidenden Wort „Stopp“ sollte jedwede Quälerei sofort aufhören. An jenem 19. November 2014 aber wurde diese rote Linie offenbar überschritten. Während der Angeklagte keinerlei Angaben zur Sache machte, schilderte die Frau ausführlich den Abend, der für sie äußerst blutig und schmerzvoll enden sollte. Er begann mit einer Spritztour im nagelneuen Auto, setzte sich mit einem fürstlichen Abendessen fort („Ich dachte, ich überrasche ihn mit einem 350-Gramm-Entrecôte und Salat“) und führte schließlich zur Fesselung der halbnackten Frau an einen Barhocker. Hände wie Füße wurden stramm festgebunden, ebenso der Oberkörper. Halsband und Augenbinde gehörten ebenfalls zum Ritual, genau wie die Schläge auf die nackte Brust.

Die mit der Gerte ausgeführte Hieben auf das Hinterteil fielen aber nach Beschreibung der Frau – die auch als Nebenklägerin auftritt – stärker aus als üblich. Ihr wurde schwindlig und übel. Sie rief das Grenzwort „Stopp“, was ihr Liebhaber aber nicht respektiert und mit dem Satz „Ach, du verträgst doch mehr“ kommentiert haben soll.

Das Spiel endet im Krankenhaus

Nach fünf oder sechs festen Schlägen geschah das Unglück: Der Stuhl kippte vornüber. Die mehrfach gefesselte Frau hatte keine Möglichkeit, den Sturz abzufedern, sie knallte mit dem Gesicht auf die harten Fliesen. Die Folgen, wie sie später im Uni-Klinikum beschrieben wurden: Schädel-Hirn-Trauma mit starken Kopfschmerzen, Platzwunden, ausgeschlagene Vorderzähne. Im Krankenhaus sprach er für seine verletzte Partnerin und gab als Ursache einen „Stolpersturz aus der Sitzhocke vor der Spülmaschine“ an. Die 37-Jährige verbrachte eine Nacht auf Station.

Über eine Strafanzeige hatte sich die Frau zunächst keine Gedanken gemacht. Doch nach einem Gespräch mit der „Ex“ ihres Sado-Maso Freundes entschloss sie sich ein halbes Jahr später, den Vorfall öffentlich zu machen und vor Gericht zu bringen. „Er ist nun mal ein Sadist. Ich möchte nicht, dass es anderen Frauen wie mir ergeht.“ Sie selbst hat nach eigenen Angaben mit der „Dunkel-Szene“ völlig gebrochen: „Für mich ist es im Nachhinein krank.“ Die Utensilien aus jener Zeit hat sie verkauft oder weggeworfen, ihre Wohnung mit den Blutspuren auf den Fliesen hat sie aufgegeben. Außerdem hat sie eine ganz normale Beziehung begonnen. Inklusive „Blümchen-Sex“, wie sie es nennt.

Ein Urteil fiel am Montag noch nicht, die Verhandlung wird fortgesetzt.  
 

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erstellt am 08.Aug.2016 | 16:59 Uhr

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