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Kiel

29. August 2016 | 23:39 Uhr

Schulfahndung als ein Mittel im Kampf gegen Kinderpornografie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ermittlungskette im aktuellen Gerichtsprozess gegen Christian M. (30) aus Kiel ist eher die Seltenheit. Auf die Anzeige der Mutter des dreijährigen Missbrauchsopfers folgten Durchsuchungen und der Fund riesiger Mengen an kinderpornografischem Bild- und Filmmaterial, das er im Netz auch anderen zugänglich machte (Text nebenstehend). In der Regel ist es anders herum: Die Ermittler stoßen auf Bild- und Filmmaterial und versuchen über die Metadaten sowie IP-Adressen, sofern möglich, an die Täter vor dem Rechner zu kommen. Viel zu oft laufen Anfragen bei Internetanbietern ins Leere, weil diese mangels Gesetzesgrundlage seit 2010 selber entscheiden, ob und wie lange sie die Bestandsdaten ihrer Kunden speichern (wir berichteten).

Deshalb versuchen die Ermittler über die sogenannten Exif-Daten, die Metadaten, die in jedem Bild einer Digitalkamera oder auch von Smartphones gespeichert werden, möglichst viele „täternahe Informationen“ zu bekommen, erklärt Petra Jung, Sachgebietsleiterin der Zentralstelle Kinderpornografie im Landeskriminalamt (LKA). Anschließend werden die Daten an das Bundeskriminalamt (BKA) weitergereicht und mit Informationen der BKA-Datei abgeglichen. „Ist das Material aus Deutschland, werden die Bilder-Serien sämtlichen LKA-Zentralstellen und Sachbearbeitern zum Vergleich gezeigt“, erklärt Jung. Können die keine Hinweise für die Identifizierung geben, wird allen Polizisten im Land ein harmloses Portraitbild vorgelegt, keine Bilder, die sexuelle Handlungen zeigen.

„Erst wenn das auch erfolglos bleibt, können wir mit richterlichem Beschluss den nächsten Schritt mit der Schulfahndung in die Öffentlichkeit gehen“, sagt Petra Jung. Seit etwa einem Jahr gibt es das eigens beim LKA in Kiel entwickelte Konzept dafür in Kooperation mit dem Bildungsministerium. „Ziel ist es, die Täter zu fassen und die Opfer so schnell wie möglich vor weiterem Missbrauch und Sekundärtraumatisierung zu schützen“, sagt Thomas Reimers, Leiter der Abteilung 1 beim LKA und maßgeblich an der Konzeptentwicklung beteiligt. Heißt, nur ausgebildetes Fachpersonal der Polizei nimmt nach Hinweisen Kontakt mit einem möglichen Missbrauchsopfer auf, nicht die Lehrer selbst.

Aber wie funktioniert die Schulfahndung? Liegt der richterliche Beschluss für eine Veröffentlichung vor, erhält das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) das Portraitbild des Opfers und verteilt es über ein gesichertes Netzwerk an alle Leitungspersonen der rund 900 allgemeinbildenden Schulen im Land.Auch die 46 Schulen des dänischen Schulvereins werden nach dem Prinzip informiert. „Die Schulleiter fragen dann das Kollegium und geben uns schnellstmöglich Rückmeldung, ob das Kind bekannt ist oder nicht“, sagt Reimers. In Schulen, die so nicht erreicht werden, gehen die Beamten persönlich. Im vergangenen Jahr gab es keine Schulfahndung, da Bildserien schon vorher aufgeklärt wurden, so Jung.

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erstellt am 04.Dez.2013 | 06:06 Uhr

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