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Kiel

03. Dezember 2016 | 07:56 Uhr

Wissenschaft zum Anfassen : Schüler lassen Wetterballon steigen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit Bordmitteln baute die 11 a des Beruflichen Gymnasiums am RBZ Wirtschaft einen eigenen kleinen Wetterballon. Die Sonde erreichte 30 000 Meter Höhe und landete bei der Rückkehr vor dem mecklenburgischen Rerik im Wasser einer Militärzone. Heute wird ein neuer Bergungsversuch gestartet.

Der erste Startversuch schlug fehl. Es mag an der klirrenden Kälte gelegen haben oder an zu viel Gewicht: Der Wetterballon hob vom Gelände des Regionalen Bildungszentrums (RBZ) am Westring einfach nicht ab. Also pumpte Geografie-Lehrer Matthias Nissen mit Hilfe seiner Schüler weitere 1000 Liter Helium in die aus Naturkautschuk und Latex genähte Kugel – und jetzt entschwand der Ballon mit seinen Messinstrumenten tatsächlich in den blauen Morgenhimmel über Kiel.

Das ungewöhnliche Projekt war im Rahmen der Projektwoche am RBZ enstanden. Nissen wollte mit den 25 Mädchen und Jungen der 11  a des Beruflichen Gymnasiums die Vorgänge in der Atmosphäre untersuchen. Der Kurs holte zunächst sämtliche Genehmigungen ein. Die Deutsche Flugsicherung, der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr, die Luftfahrtbehörde, das städtische Ordnungsamt und auch der Flughafen in Holtenau – sie alle mussten dem Projekt ihre offizielle Erlaubnis geben.

Immerhin sollte der handgearbeitete Kieler Wetterballon eine Höhe von 30 Kilometern erreichen (zum Vergleich: Düsenjets fliegen nur zehn bis zwölf Kilometer über dem Erdboden). Bei fallendem Luftdruck dehnt sich das Gas im Ballon aus und bringt ihn irgendwann zum Platzen. Das haben die Schüler mit ihrem Lehrer vorher berechnet. Der angehängte Fallschirm sollte die Instrumente dann wieder sicher zur Erde gleiten lassen.

An Bord des Ballons befinden sich ein Thermometer, das auch bei minus 50 oder 60 Grad nicht schlapp macht, ein Barometer zur Luftdruckmessung, ein Akku-Pack, gleich zwei kleine Kameras und natürlich ein GPS-Tracker zur genauen Ortsbestimmung. Denn nach den Berechnungen im Unterricht sollte die Sonde bei den mäßigen westlichen Winden irgendwo im Raum zwischen Lübeck und Rostock wieder landen. Soweit jedenfalls die Theorie der Schüler im Ballon-Projektkurs am RBZ.

Und tatsächlich lag die Landetzone im kalkulierten Revier. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass die Kieler Apparaturen bei der Gemeinde Rerik im Wasser vor dem mecklenburgischen Ostsee-Ufer strandeten. „Und zwar direkt im militärischen Sperrgebiet“, wie Matthias Nissen am Nachmittag erklärte. Er war mit drei Schülern der Sonde auf der Spur, konnte sie auch orten, aber eben nicht einsammeln. Und die Wasserschutzpolizei, die zu Hilfe gerufen worden, musste wegen Schlechtwetter ebenfalls passen.

Ohne die erhoffte Gerätschaften kehrte das Quartett deshalb nach Kiel zurück. Gleich heute soll ein neuer Versuch starten. Die Zeit drängt, denn die Batteriekapazität reicht nur für 48 Stunden. „Wir sind guter Dinge“, erklärte Nissen zuversichtlich, nachdem die erste Enttäuschung verebbt war. Die Bergung wäre auch für das RBZ eine tolle Geschichte. Denn die am Ballon angebrachten Mini-Kameras haben nicht nur das Schulzentrum aus luftiger Höhe fotografiert. Sie sollten auch das an der Sonde angebrachte Schullogo ablichten – vor dem Schwarz des Universums und der Krümmung der blauen Erdoberfläche. Soweit jedenfalls die Theorie der jungen Nachwuchs-Wissenschaftler.  

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erstellt am 09.Nov.2016 | 18:46 Uhr

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