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Kiel

09. Dezember 2016 | 18:28 Uhr

Atommüll : Robert Habeck: Vattenfall darf Brennelemente im Akw Brunsbüttel umlagern

vom

Umpackaktion im Akw Brunsbüttel darf starten: Der Betreiber will abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter holen und im Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände unterbringen. Experten billigen den Plan.

Kiel | Im abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel darf der Betreiber Vattenfall hunderte abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter in sein Zwischenlager bringen. Dies erhöhe die Sicherheit und sei auch rechtlich zulässig, sagte Energie- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Montag in Kiel.

Der Stromkonzern Vattenfall will hunderte abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter des abgeschalteten Atomkraftwerks Brunsbüttel herausholen und anderswo auf dem Gelände unterbringen.  Das Thema ist heikel. Es löst in der Bevölkerung oftmals Ängste aus.

Das Ministerium hatte Vattenfalls Antrag in den vergangenen Wochen von Rechts- und Sicherheitsexperten prüfen lassen. Ein Problem bestand darin, dass der Energiekonzern sein Zwischenlager derzeit nur mit einer Duldung der Atomaufsicht betreiben darf.

Es geht um 517 Brennelemente, die Vattenfall in seinem Zwischenlager auf dem Akw-Gelände parken will. Sie sollen in bereits vorhandene Castor-Behälter verladen werden. Die Umlagerung könnte binnen eines halben Jahres vollzogen werden, wenn alles gut läuft.

Das Zwischenlager gilt als sicherstes Gebäude auf dem Akw-Gelände. Es biete auch für den Fall eines Flugzeugabsturzes oder Angriffs mit panzerbrechenden Waffen eindeutig eine größere Sicherheit als das Kraftwerk, sagte Habeck. „Es ist einfach solider und massiver gebaut.“ Der eigentliche Sicherheitsgewinn komme aber durch die Castoren. Dort werden die Brennelemente trocken gelagert und müssen anders als im Reaktor auch nicht gekühlt werden.

Das Atomkraftwerk an der Unterelbe soll abgerissen werden. Bevor der Abbruch beginnt, sollen sich keine Brennelemente mehr im Reaktordruckbehälter befinden.

„Wir freuen uns über die positive Antwort, denn die Brennelementefreiheit des Kraftwerks ist Voraussetzung für den Beginn der Rückbauarbeiten in Brunsbüttel“, sagte Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth am Montag auf die Nachricht aus Kiel. „Wir planen, mit der Beladung der Castor-Behälter so zügig wie möglich zu beginnen und die Arbeiten bis Anfang nächsten Jahres abzuschließen.“ Das Standort-Zwischenlager in Brunsbüttel verfügt über keine atomrechtliche Genehmigung, nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Januar 2015 die Aufhebung der Genehmigung durch das Oberverwaltungsgericht Schleswig vom Juni 2013 bestätigt hatte. Seitdem arbeitet das Zwischenlager mit einer bis 2018 befristeten Duldung der Atomaufsicht.

Die Entscheidung über eine neue Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz könnte nach Einschätzung der Kieler Atomaufsicht in zwei bis drei Jahren fallen. Dieses Genehmigungsverfahren sei unabhängig von der jetzt vorgesehenen Bereitstellung der Castor-Behälter. Die angestrebte Umlagerung und die anschließende Bereitstellung würden im Rahmen der bestehenden Betriebsgenehmigung des Kraftwerks vorgenommen, hieß es. Dort sei die Befugnis zur Handhabung von Kernbrennstoffen auf dem Betriebsgelände geregelt.

Gegen die Umlagerung der Brennelemente kann geklagt werden. Wer dies tue, nimmt Habeck zufolge auch in Kauf, dass der zu erwartende Sicherheitsgewinn nicht eintritt. Der Reaktor in Brunsbüttel ist seit 2007 infolge von Pannen vom Netz. 2011 wurde dem Akw im Zusammenhang mit dem beschlossenen Atomausstieg per Gesetz untersagt, Strom zu produzieren. Die Entscheidung über eine Abrissgenehmigung wird für Ende 2017/Anfang 2018 erwartet.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 14:56 Uhr

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