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Kiel

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Gefesselt vom Stuhl gestürzt : Richter verdoppelt Geldstrafe im Kieler Sado-Maso-Prozess

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Opfer erlitt schwere Gesichtsverletzungen als es beim Sado-Maso-Sex stürzte. Der Angeklagte hatte mit Schlägen nicht aufgehört.

Kiel | Glimpfliches Urteil im sogenannten Sado-Maso-Prozess vor dem Landgericht Kiel: Der Richter verdoppelte zwar im Berufungsverfahren gegenüber dem Amtsgericht die Geldstrafe von 2800 auf 5600 Euro. Doch er folgte nicht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung verlangt hatte. Das Urteil ging nicht über den Vorwurf fahrlässiger Körperverletzung hinaus.

Der 48-Jährige hatte seine Partnerin am Abend des 19. November 2013 halbnackt an einen Stuhl gefesselt und mit einer Reitgerte ausgepeitscht. Der Stuhl kippte um, die 37-Jährige knallte ungeschützt auf die harten Fliesen und zog sich schwere Gesichtsverletzungen und ausgeschlagene Zähne zu. Angeblich hatte der 48-Jährige das zuvor vereinbarte „Stopp“-Signal missachtet und weitere schwere Schläge auf das Gesäß ausgeteilt.

Die Verteidigung hatte wie schon beim Amtsgericht diesen Vorgang bestritten. Nach ihrer Version war die Frau auf ihren hochhackigen Schuhen in der Küche gestürzt. Allerdings wiederlegte ein Gutachten diesen Ablauf: Es hätte an Händen, Ellbogen oder Knie Sturzschäden gegeben – dies alles aber war im Krankenhaus nicht auszumachen.

So gab es am letzten Verhandlungstag eine skurrile Szene, als die Verteidigung als Beweisstück einen Stuhl in den Gerichtssaal mitschleppte. Das Opfer – die 37-Jährige trat auch als Nebenklägerin auf – nahm widerwillig Platz, denn sie hat nach den blutigen Erfahrungen der Sado-Maso-Szene abgeschworen: „Ich habe mir geschworen, mich nie wieder auf den Stuhl zu setzen.“ Es folgte eine Diskussion über die Größe der Sitzfläche und Kerben an den Stuhlbeinen. Entnervt entfuhr es dem Angeklagten: „Mein Gott, Ich habe davon noch drei Stück zu Hause.“ Es war das einzige Mal, dass er sich äußerte – er verfolgte das Verfahren vor dem Landgericht ansonsten schweigend.

In seiner Urteilsbegründung bewertete der Richter die Schilderung der 37-Jährigen durchweg als glaubhaft und verwarf die Version der Verteidigung, die Freispruch für ihren Mandanten verlangt hatte. Allerdings hatte der Richter Zweifel, ob das „Stopp“-Signal tatsächlich vereinbart worden sei – eine Zeugin hatte genau dies bestritten. Folglich habe sich der Angeklagte – die Juristen benutzen oft schwierige Worte – in einem „Erlaubnis-Tatbestands-Irrtum“ befunden, als er die Schläge fortsetzte.

Mit 70 Tagessätzen folgte das Landgericht dem Urteil des Amtsgerichtes. Da der 48-Jährige aber mittlerweile wieder einen Job gefunden hat und nicht mehr arbeitslos ist, wurde die Höhe des Tagessatzes von 40 auf 80 Euro verdoppelt. Insgesamt 5600 Euro muss der Angeklagte zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es besteht die Möglichkeit zur Berufung. Vor allem die Nebenklägerin fühlte sich durch das Urteil „vor den Kopf gestoßen“.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 18:07 Uhr

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