zur Navigation springen

Kiel

29. Juni 2016 | 11:14 Uhr

Heikendorf bei Kiel : Razzia beendet – V1-Rakete gefunden, Panzer geborgen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der Razzia bei einem Kriegswaffen-Sammler ist der „Panther von Heikendorf“ aus dem Keller. Er stammt von einem Schrottplatz in England.

Er ist liebevoll restauriert, sandfarben lackiert. Auch mit der Unterbringung im Kellergeschoss hatte sich sein Besitzer offenbar Mühe gegeben. Zeugen sprechen von vertäfelten Wänden und steinernen Reichsadlern, die den „Panther von Heikendorf“ umringt haben sollen. Seit Mittwoch ist der Weltkriegspanzer beschlagnahmt. Ihn aus seiner Villa zu ziehen, dauerte fast zwei Tage.

„Wir hatten Schwierigkeiten, ihn um die Kurve zu kriegen“, sagte Bundeswehrsprecher Ulrich Burchardi Donnerstag während der Bergung, die am Morgen fortgesetzt worden war. In einem Vorbau der Villa führt eine Rampe in die Tiefgarage. Unten macht die Einfahrt einen 90-Grad-Schwenk, dann geht es noch einmal um die Ecke. „Wir fragen uns wirklich, wie er das Ding in den Keller gekriegt hat“, ist von einem der Ermittler zu hören. Pioniere mussten zahlreiche Umlenkrollen montieren, mit denen Stahlseile um die Ecken geführt wurden. Die beiden vor der Villa postierten Bergepanzer (je 830 PS) zogen dann per Winde den „Panther“ Stück für Stück vorwärts.

Der Panzer ist nicht das einzige Kriegsgerät, das Finanzmakler Klaus-Dieter F. (78) gehortet hatte. Ein Sieben-Meter-Torpedo ist bereits abtransportiert, in der Villa soll noch ein 8,8-Zentimeter-Geschütz stehen, eine Flugabwehrkanone. Auch eine V1-Rakete wurde entdeckt. Sie galt als eine der „Wunderwaffen“ in der NS-Propaganda des Zweiten Weltkriegs. V1 steht für „Vergeltungswaffe 1“.

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Der Anwalt des Rentners hat aber bereits rechtliche Schritte gegen die Beschlagnahmung angekündigt. Nach seiner Ansicht ist das Kriegsgerät demilitarisiert.

Die Flak wird aus der Villa in Heikendorf abtransportiert.
Die Flak wird aus der Villa in Heikendorf abtransportiert. Foto: Daniel Friederichs
 

Wie viele Nachbarn in dem Villenviertel wusste auch Bürgermeister Alexander Orth von dem Panzer, zeigte sich jetzt aber erschüttert: „Ich habe das für den Spleen eines älteren Herrn gehalten. Nun sieht es so aus, als ob es deutlich mehr ist.“

Woher die Waffen stammen, lässt sich bislang nur für den Panzer nachvollziehen. Im Frühjahr war Klaus-Dieter F. ins Visier von Berliner LKA-Fahndern geraten, die verschollene Nazikunst suchten und seine Waffen entdeckten. Dem „Spiegel“ erklärte er daraufhin ganz offen, er habe eine große Sammlung („aber keine Kunst“) in einem unterirdischen Bunker auf seinem Grundstück. Dort stehe ein Wehrmachtspanzer („aber kein kompletter“), den er einmal als Schrott in England gekauft habe.

November 1977: Der „Panther“ auf einem Schrottplatz in England.
November 1977: Der „Panther“ auf einem Schrottplatz in England.
 

Ein Beleg dafür findet sich in einer alten Ausgabe der Zeitschrift „After The Battle“ („Nach der Schlacht“). Demnach wurde der „Panther“ im November 1977 von einem Schrottplatz in der Grafschaft Surrey im Süden Englands „gerettet“ und nach Deutschland gebracht. Fotos zeigen, wie das stark lädierte Fahrzeug auf einem Tieflader steht. Sammlerkreise glauben, dass sich der Panzerkampfwagen nie im Einsatz befunden habe. Er gehöre vielmehr zu den „Panthern“, die von den Briten zu Testzwecken aus Teilen gebaut wurden, die aus deutscher Kriegsproduktion noch übrig waren. Klaus-Dieter F. hat das Modell (Ausführung G) liebevoll restaurieren lassen, sein Wert dürfte im Millionenbereich liegen. Die Ketten waren zwar noch nicht montiert, sollen aber bereit gelegen haben.

Der Panzer, um dessen Kanonenrohr die Ermittler einen Zettel mit dem Aktenzeichen wickelten, und das weitere Kriegsgerät werden auf dem Truppenübungsplatz Putlos an der Ostsee in einer Halle untergestellt. Da es sich um Beweismittel in einem Strafverfahren handelt, bekommt nur die Polizei einen Schlüssel.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen