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Kiel

08. Dezember 2016 | 12:54 Uhr

Polizei nimmt Kampf gegen Fahrraddiebe auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünfköpfiges Team hat Ermittlungsansätze gegen 30 Personen

Er stand am Holstentörn, mitten am Tag in der belebten Kieler Innenstadt, schaute sich die angeschlossenen Fahrräder rundherum an, zog einen Bolzenschneider unter der Jacke hervor und knackte ein Schloss. Ungestört. Beobachtet wurde der 51-Jährige nur von der Polizei. Und die griff sofort zu. Der Fahrraddieb kam in Untersuchungshaft.

Es ist einer der ersten Ermittlungserfolge eines neuen, fünfköpfigen Teams innerhalb der Kieler Polizei, das sich seit dem Frühjahr fokussiert um die Bekämpfung von Fahrraddiebstählen in der Landeshauptstadt kümmert, voraussichtlich ab September in einer eigenen Ermittlungsgruppe. Denn in Kiel sind die Fallzahlen enorm gestiegen – besonders seit Ende vergangenen Jahres. Im Vergleich zu 2014 gab es im gesamten Jahr 2015 rund 40 Prozent mehr Fälle. Darauf reagiert die Behörde nun.

Zwischen 45 und 80 gestohlene Drahtesel werden pro Woche in Kiel angezeigt, sagt Polizeirat Frank Leßmann, Leiter des 3. Reviers. Seit dem 19. Mai ist die „Task Force“ gegen Fahrradklau bei ihm angesiedelt und wird für die gesamte Stadt von dort aus koordiniert. „Seit Jahresbeginn“, schätzt Leßmann, „ist ein Gesamtschaden durch Farrraddiebstähle in Kiel von einer Million Euro plus nicht unwahrscheinlich“. Oft werden hochwertige Mountain- und Trekkingbikes mitgenommen.

Schwerpunkte liegen im Innenstadt- und Bahnhofsbereich und rund um die Universität, wo viele ihre Fahrräder vor der Tür abstellen – keineswegs immer angekettet, wie die Polizei betont. Und: „Die Täter gehen zu allen Tages- und Nachtzeiten los. Wir waren überrascht, welche Strecken die machen, mit Bus, zu Fuß – und mit dem Rad.“ Und dann werden die Fahrradständer gezielt nach Beute abgesucht.

Rund 1700 entwendete Räder wurden aktenkundig, aber nicht jeder Fall wird angezeigt. Zuletzt allerdings zeigte sich ein Rückgang. Von 70 gemeldeten Fällen Ende Juni  /  Anfang Juli kontinuierlich auf 36 in der vergangenen Woche. In diese Zeit fiel auch die Festnahme des 51-Jährigen. „Das könnte sich auf die Fallzahlen ausgewirkt haben“, glaubt Polizeirat Leßmann. Gut 30 Männer zwischen 22 und 51 Jahren hat die Gruppe im Visier – 30 Tatverdächtige, die oft aus einer Drogensucht heraus in die Beschaffungskriminalität abgerutscht sind, zum Teil deutscher, zum Teil osteuropäischer oder afrikanischer Herkunft, oft polizeibekannt, „bei denen wir jetzt einen Zusammenhang mit organisierten Strukturen prüfen“. In 500 Einsatzstunden, die „zu 90 Prozent auf der Straße stattfinden“, wurden seit der Kieler Woche in verdeckter und nicht-verdeckter Ermittlung sowie durch verstärkte Kontrollen insgesamt fünf Verdächtige auf frischer Tag festgenommen und 31 Fahrräder sichergestellt.

Es ist ein Zwischenbericht. „Wir kriegen den Sumpf nicht trockengelegt“, geben sich Leßmann und der Leiter des Brennpunktdienstes, Hauptkommissar Olaf Wigger, realistisch. Fahrraddiebe können in der Regel nicht lange weggesperrt werden. Auch der 51-Jährige kam nach zweiwöchiger U-Haft wieder frei. Trotz der intensiven Polizei-Arbeit ist er schon wieder straffällig geworden.


>  Ein polizeilicher Fahrradpass mit Rahmennummer, Codierung, Foto des Rades sowie Daten des Besitzers hilft, gestohlene Räder zweifelsfrei zu identifizieren. Den Pass gibt es auch als kostenlose App für Smartphones unter www.polizei-beratung.de


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erstellt am 26.Jul.2016 | 06:14 Uhr

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