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Kiel

08. Dezember 2016 | 03:06 Uhr

Brandschutz : Plädoyer für die dritte Rettungswache

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ist ein weiter Weg nach Holtenau, Friedrichsort oder Schilksee. Die Stadt überlegt deshalb, nach den Standorten in Gaarden und am Westring ein neue Rettungswachs nördlich des Kanals einzurichten. Freiwillige Feuerwehren spielen in diesem Konzept eine wichtige wichtige Rolle.

Im Ernstfall sollen nur zehn Minuten vergehen. Zehn Minuten zwischen dem Notruf („Es brennt!“) und dem Eintreffen der Feuerwehr am Brandort. Maximal zwei Minuten werden für die Alarmierungszeit kalkuliert – die Zeit also, bis der erste Löschzug losrast. Weitere acht Minuten sind für die Fahrt vorgesehen. Das anspruchsvolle Konzept greift auch in den allermeisten Kieler Standorten. Doch es gibt eine Ausnahme: Für die Quartiere nördlich des Kanals mag niemand eine Zehn-Minuten-Garantie geben. Holtenau, Friedrichsort, erst Recht Schilksee sind zu weit entfernt von der Hauptfeuerwehrwache. Und deshalb soll, so die feste Absicht der Experten, eine dritte Rettungswache im Norden entstehen.

Branddirektor Thomas Hinz, der Chef der städtischen Berufsfeuerwehr, verfolgt diesen Plan gemeinsam mit Kämmerer Wolfgang Röttgers. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Installation der dritten Wache soll weitgehend kostenneutral verlaufen. Zumindest ohne personellen Mehraufwand. Gegenwärtig haben die beiden Feuerwachen in Gaarden und am Westring rund um die Uhr jeweils 16 Aktive „unter Waffen“. Zusammen also 32 ausgebildete Brandbekämpfer – insgesamt besitzt die Berufsfeuerwehr rund 170 männliche und weibliche Brandschützer.

Wenn diese 32er-Sollstärke aber künftig auf drei Standorte verteilt wird, sind es pro Station nur zehn oder elf Personen, die wenige Minuten nach dem Alarm am Brandort eintreffen. Das reicht für den ersten „Angriff“, wie die Feuerwehr zu sagen pflegt. Aber nicht für den „langen Atem“. Und genau an dieser Stelle wächst die Bedeutung der zehn Freiwilligen Feuerwehren auf dem Kieler Stadtgebiet mit ihren insgesamt 500 Aktiven. Denn bei einem Großbrand mit Menschenrettung, sagt Hinz, sind selbst 16 oder 32 Brandbekämpfer zu wenig.

Die freiwilligen Kräfte übernehmen gegenwärtig schon Sonderaufgaben (siehe Anhang) zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr. Das reicht von Atemschutz über die schwere Bergung bis zur wichtigen Wasserversorgung, wie Bernhard Hassenstein erklärt. Als Stadtwehrführer bildet er die Naht- und Koordinationssstelle zwischen den Freiwilligen Wehren der Landeshauptstadt und der Berufsfeuerwehr. Hassenstein ist stolz auf die ehrenamtliche Arbeit seiner Kameraden, die im Ernstfall auch nachts oder am Wochenende ausrücken.

Das erkennt auch die Stadt an. 200  000 bis 350  000 Euro fließen Jahr für Jahr in die Ausstattung der Freiwilligen Wehren. Zudem werden ihre Fahrzeuge in der Werkstatt der Berufsfeuerwehr gewartet und repariert. „Das ist sinnvoll investiertes Geld“, betonen Röttgers und Hinz. Sie fügen hinzu: „Wir können auf keine einzige Freiwillige Feuerwehr verzichten.“  

> Dietrichsdorf (59 Aktive, 22 Jugendliche): Unterstützung bei Großeinsätzen, Wasserversorgung mit Tanklöschfahrzeugen sowie Verpflegung der Einsatzkräfte;
> Elmschenhagen (56 Aktive, 29 Jugendliche): Wasserförderung über lange Wegstrecken sowie Dekontamination und Messaufgaben im Löschzug Gefahrgut;
> Gaarden (48 Aktive, 14 Jugendliche): Dekontamination und Messaufgaben im Löschzug Gefahrgut;
> Meimersdorf (43 Aktive, ohne Jugendabteilung): Koordination der Einsatzkräfte bei Massenanfall von Verletzten und Wasserversorgung mit Tanklöschfahrzeugen;
> Moorsee (28 Aktive, 21 Jugendliche): Wasserversorgung Tanklöschfahrzeuge;
> Rönne (24 Aktive, ohne Jugendabteilung): Schwere Bergung;
> Russee (74 Aktive, 31 Jugendliche): Wasserförderung über lange Wegstrecken sowie Verpflegung der Einsatzkräfte;
> Schilksee (48 Aktive, 25 Jugendliche);
> Suchsdorf (75 Aktive, 32 Jugendliche):
Wasserversorgung mit Tanklöschfahrzeugen sowie Dekontamination und Messaufgaben im Löschzug Gefahrgut;
> Wellsee (44 Aktive, 19 Jugendliche): Atemschutzlogistik.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 18:43 Uhr

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