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Kiel

03. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Umtüten : Papier sparen mit praktischen Mehrwegtüten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Kiel läuft gegenwärtig die Woche der Abfallvermeidung. Eines der zukunftsweisenden Projekte ist das sogenannte „Umtüten“. Zwei Studentinnen haben praktische Beutel entworfen, die bereits in der Bäckerei Knuust zum Einsatz kommen. Dort will man auf diese Weise Tausende von Papiertüten einsparen.

Der Gang zum Bäcker gehört für viele am Morgen dazu. Schnell noch ein Brötchen für die Mittagspause – und jedes Mal gibt es eine neue Tüte, in der die Backwaren verpackt sind. Kurze Zeit später landet sie im Müll. Allein in der Bäckerei Knuust und dem dazugehörigen Café im Kieler Stadtteil Hasseldieksdamm gehen im Monat 16  000 Brötchentüten über den Tresen. Weil das auch Inhaber Pawel Bolt (32) ein Dorn im Auge ist, gibt es bei ihm seit Kurzem wiederverwendbare Tüten zu kaufen.

Die „Broot-Tüüt“ und die „Snack-Tüüt“ aus Biobaumwolle und Maisstärke sind eine Erfindung der Kieler Studentinnen Anja Kromer (25) und Christina Lehmann (27). Mit ihrem Versuch, Verpackungsmüll in der Landeshauptstadt zu reduzieren, stehen die beiden Frauen nicht alleine da. Plastiktüten sind bereits aus einigen Supermärkten verschwunden, und im Kieler Laden „Unverpackt“ werden die Lebensmittel in mitgebrachte Behälter gefüllt.

In der europäischen Woche der Abfallvermeidung wird in Kiel mit Workshops und Vorträgen auf solche Ideen und Möglichkeiten der Müll-Reduzierung aufmerksam gemacht. Mit der „Langen Nacht der Abfallvermeidung“ findet das Programm morgen seinen Höhepunkt.

„Uns stört diese Wegwerfgesellschaft mit ihren Coffee-To-Go-Bechern und den üblichen Verpackungen und Tüten. Wir wollten unbedingt selber etwas dagegen tun“, erklärt Anja Kromer, die an der Kieler Uni Nachhaltigkeitswissenschaften studiert, die Idee hinter dem Projekt „Umtüten“. Gemeinsam mit Umweltmanagement-Studentin Christina Lehmann hatte sie im April den Ideenwettbewerb „Yooweedoo“ der Universität gewonnen und eine Anstoßfinanzierung erhalten.

Neben der Bäckerei und dem Café Knuust gibt es die in den Hamburger Elbe-Werkstätten gefertigten Tüten zum Preis von 4,50 und 5,90 Euro auch im „Restez à Table“ an der Koldingstraße. Sie verkaufen sich überall so gut, dass die Studentinnen bereits Lieferprobleme haben. „Wir führen gerade Gespräche mit weiteren Werkstätten, um unsere Produktion zu vergrößern“, so Christina Lehmann. Auch ein Online-Shop sei bereits in Planung. Die Studentinnen möchten noch mehr Betriebe von ihrem Konzept überzeugen. Dann hoffen sie auch, irgendwann Geld mit ihrer Alternative zur Einweg-Tüte zu verdienen.

Den großen Erfolg ihrer Idee sehen die Frauen im Umdenken der Gesellschaft. „Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz wächst. Das ist wirklich toll. Anja Kromer hat beobachtet: „Viele suchen nach Alternativen und wollen bewusster leben.“


Weitere Informationen:
„Die Woche der Abfallvermeidung“ in Kiel wird von zahlreichen Workshops zur Frage, wie man Verpackungsabfälle vermeiden kann, bestimmt (siehe auch www. abfall-a.de). Zum ersten Mal findet auch eine „Lange Nacht der Abfallvermeidung“ statt. Beginn ist am Donnerstag, 24. November, um 17.30 Uhr im CAP  3 der Christian-Albrechts-Universität (CAU). Hier erfahren die Besucher von der Verbraucherzentrale Wissenswertes über die Lebensmittelverpackungen und Lagermöglichkeiten von Essen. Auch das Kieler Geschäft „Unverpackt“ stellt sich vor. Zwei junge Frauen erzählen, wie sie seit einem Jahr ganz ohne Abfall leben.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 18:57 Uhr

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