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Kiel

05. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

KiWo 2014 : Offener Brief für russische Marine bei Kieler Woche

vom

Wegen der Ukraine-Krise darf eine russische Fregatte nicht zur Kieler Woche kommen. Die Kirche schaltet sich in die Debatte ein.

Kiel | Der Kieler Probst Thomas Lienau-Becker hat sich für die Teilnahme der russischen Marine an der Kieler Woche ausgesprochen. In einem offenen Brief forderte er Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf, die Teilnahme zu genehmigen, wie der Kirchenkreis Altholstein am Mittwoch mitteilte. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise hatte die von der Stadt eingeladene Fregatte „Boiky“ von den deutschen Behörden keine Einlaufgenehmigung bekommen. „Dadurch wird die kostbare Gelegenheit vertan, in einer politisch angespannten Zeit die Basis in den deutsch-russischen Beziehungen zu stärken“, schrieb Probst Lienau-Becker dem Außenminister. Gerade die Kieler Woche trage viel zur Verständigung zwischen Völkern und Nationen bei. „Aus diesem Grunde bin ich erschrocken und entsetzt über die Entscheidung des Auswärtigen Amts, einem Schiff der russischen Marine keine Genehmigung zur Teilnahme an der Kieler Woche zu erteilen.“ 

Auch Kiels Oberbürgermeister äußerte sich: „Es steht mir nicht an, ob diese Entscheidung richtig oder falsch ist“, sagte Ulf Kämpfer (SPD) am Dienstag. Die Ukraine-Krise sei eine mit Sanktionen verbundene internationale Krise. „Auch die Kieler Woche ist nicht vom Weltgeschehen abgeschnitten“, sagte Kämpfer. Deshalb überrasche ihn die Entscheidung auch nicht. Immerhin gehe es um ein Kriegsschiff. Die Kieler Woche stehe für Völkerverständigung, die Ukraine-Krise nicht.

Auf die Einladung der Stadt Kiel hin hatte die russische Marine schon im April beim Auswärtigen Amt eine diplomatische Freigabe für das Kriegsschiff „Boiky“ beantragt, wie Fregattenkapitän Peter Sikora vom Kieler-Wochen-Arbeitsstab erklärte. „Diese Genehmigung wurde auch zunächst erteilt, ist jetzt aber wieder zurückgezogen worden.“ Sikora wurde darüber am Freitag informiert und wollte die Ausladung nicht kommentieren. „Aber für den Gastgeber ist es natürlich immer schade, wenn ein Teilnehmer nicht kommen kann. Die Kieler Woche bedeutet für uns Gedanken- und Meinungsaustausch und kommt der internationalen Verständigung zu Gute.“ Der Kapitän konnte sich an keinen anderen Fall erinnern, in dem einem Kriegsschiff die Einlaufgenehmigung für die Kieler Woche wieder entzogen worden wäre.

Im internationalen Seeprotokoll ist festgeschrieben, dass Kriegsschiffe, die in fremde Hoheitsgewässer fahren, immer eine diplomatische Freigabe benötigen. Einzige Ausnahme ist die sogenannte „Freie Durchfahrt“: Wenn ein Kriegsschiff ein Gewässer durchqueren muss, um in ein anderes zu gelangen, ist das ohne Freigabe gestattet. Sobald das Schiff aber wie bei der Kieler Woche in einen Hafen einläuft, muss die Marine eine Genehmigung beantragen.

Das Treffen von Marineschiffen aus verschiedenen Nationen gehört zum festen Bestandteil der Kieler Woche, die in diesem Jahr vom 21. bis 29. Juni stattfindet. Dann werden Marineschiffe unter anderem aus den USA, Großbritannien, Polen, Estland, Litauen, Dänemark, Algerien und den Niederlanden erwartet.

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erstellt am 28.Mai.2014 | 16:13 Uhr

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