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Schleusen-Wartung : Nord-Ostsee-Kanal wird zum Nadelöhr

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für drei Monate steht in Holtenau nur eine einzige Schleusenkammer zur Verfügung. Dabei gibt es im Prinzip vier Kammern. Doch die beiden Alten Schleusen sind seit Jahren wegen Baufälligkeit geschlossen.

Es ist soweit. Heute beginnen in Holtenau die seit langem angekündigten Wartungsarbeiten an den Großen Schleusen. Für jeweils sechs Wochen ist eine der beiden Kammern außer Betrieb. Staus auf der Kieler Außenförde werden nicht die einzige Folge sein. Die Gefahr ist viel größer. Sollte nämlich ein Schiff versehentlich ein Schleusentor rammen, wäre der Nord-Ostsee-Kanal für Wochen blockiert.

Denn von ursprünglich vier Schleusenkammern steht während der Inspektionszeit nur noch eine einzige Anlage zur Verfügung. Bekanntlich ist das Paar der Alten (oder Kleinen) Schleusen schon seit drei Jahren wegen Baufälligkeit außer Betrieb. Der Neubau ist von Berlin mittlerweile genehmigt, die Vorarbeiten laufen bereits, doch auf absehbare Zeit fallen die Alten Schleusen aus.

Zurzeit werden die Sportboote gemeinsam mit den großen Frachtern in den Großen Schleusen abgefertigt. Dabei könnten – wären die Alten Schleusen einsatzbereit – wohl 70 Prozent des gesamten Schiffsverkehr auf der kleineren Anlage geschleust werden, schätzt Matthias Visser, Vize-Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Holtenau. Nur die Schiffsriesen bis 235 Meter Länge wären auf die beiden Großen Schleusen angewiesen.

Die anstehenden Wartungsarbeiten sind für den WSA-Leiter Dieter Schnell unumgänglich. Es geht um Voruntersuchungen für die umfassende Sanierung, außerdem müssen etwa 14  000 Kubikmeter an abgelagerten Sedimenten beseitigt werden. Sämtliche Antriebsteile an den Schleusentoren gilt es zu reinigen und inspizieren. Die Reeder wissen um die Empfindlichkeit des Kanals. Die WSA-Verantwortlichen beobachten seit langem, dass die Kapitäne ihre Schiffe extrem vorsichtig in die Schleusen bugsieren.  


Unfällen an den Holtenauer Schleusen:
> Bei Nebel streift die „Heinrich Ehler“ im November 2016 einen Holzfender und zerreißt eine Eisenkette. Schaden: 20  000 Euro.
> November 2014: Der britische Frachter „Vectis Eagle“ rammt das Tor der Nordschleuse. Es muss ausgewechselt werden.
> Im Februar 2014 prallt die „Bernhard Schepers“ gegen das Leitwerk der Südschleuse. Die Folge sind stundenlange Staus.
> Nach Ausfall der Ruderanlage rammt das schwedische Tankschiff im Oktober 2013 das seeseitige Tor. Die Schleuse kann bis zum späteren Ausbau provisorisch in Betrieb bleiben.
> Weil der russische Kapitän betrunken ist (1,2 Promille), kollidiert im August 2011 die „Solveig K“ mit der Schleusenmauer.
> Im August 2007 wird nach vier schweren Schleusen-Unfällen innerhalb eines Jahres bereits über den „Unfall-Magneten“ in Holtenau spekuliert. In Brunsbüttel kracht es deutlich weniger.

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erstellt am 17.Apr.2017 | 17:36 Uhr

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