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Kiel

25. September 2016 | 00:35 Uhr

Gewalt gegen Polizeibeamte in SH : Nach Angriff in Kiel-Gaarden: Solidarität mit verletztem Polizisten

vom

Der 37-Jährige erlitt Ende Juli im Einsatz bei einem brutalem Angriff Knochenbrüche und einen Bänderriss. Gegen den tatverdächtigen Intensivtäter wurde Anklage erhoben.

Kiel | Sechs Wochen ist der Angriff her. Noch immer kann der Polizist nicht wieder  arbeiten: Der Beamte vom 4. Revier im sozialen Brennpunkt  Gaarden war im Einsatz von  einem polizeibekannten jungen Intensivtäter (20) hinterrücks und unvermittelt so schwer mit Fausthieben und Tritten verletzt worden, dass er mehrere Knochenbrüche im Gesichtsbereich sowie einen Bänderriss erlitt.

Er musste operiert werden, erhält nun Physiotherapie. Der zweifache Familienvater weiß noch nicht, wann er wieder auf Streife gehen können wird: „Der Fuß macht noch Probleme. Gehen ist möglich, aber beim Laufen ist es schwieriger“, sagt der Beamte, der seinen Namen und sein Bild  nicht in den Medien sehen möchte. Es gehe ihm aber grundsätzlich wieder besser, sagt der Polizei-Obermeister.

Zum Vorfall selbst will der Beamte sich nicht äußern – es ist ein laufendes Ermittlungsverfahren. Fest steht: Der Tatverdächtige ist wegen fehlender Haftgründe nicht in Untersuchungs-Haft, die Staatsanwaltschaft in Kiel hat aber inzwischen Anklage gegen den 20-Jährigen  erhoben. Der Vorwurf: schwere Körperverletzung, teilte Oberstaatsanwalt Axel Bieler am Mittwoch mit. Das Verfahren am Kieler Amtsgericht stehe bevor, sagte auch Karl-Hermann Rehr von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Kiel.

Voraussichtlich wird sich der mutmaßliche Täter vor dem Jugendschöffengericht verantworten müssen. Laut Bieler droht dem Intensivtäter, würde er nach dem Erwachsenen-Strafrecht verurteilt, eine Mindeststrafe von sechs Monaten Haft. Bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht „ist viel möglich – auch  erzieherische Maßnahmen“.

Für den Kieler Polizei-Obermeister, der laut Rehr als Nebenkläger zugelassen worden ist, spielt das mögliche Strafmaß durchaus eine Rolle bei der Verarbeitung der Tat, wie er selbst gestern betonte: „Das ist nicht unwichtig.“ Kollegen  können dies nachvollziehen – im Hinblick auf einen „Abschreckungseffekt für Nachahmungstäter“.

Nach Angaben des Revierleiters Stefan Chirvi hat der Fall auf der Dienststelle, aber auch in der Bevölkerung „große Betroffenheit ausgelöst“. Zwar sei Gewalt gegen Polizisten in Gaarden „nicht so selten“, so Chirvi, aber in der Intensität sei dies nicht an der Tagesordnung. In diesem Jahr sei der Angriff auf den 37-Jährigen der schwerste bislang. Landesweit gab laut GdP 2015 genau 1082 Gewalttaten gegen Polizisten, dabei kamen mehr als 2000 Beamte zu Schaden, 355 von ihnen wurden  teilweise schwer verletzt.  Die Zahlen würden in diesem Jahr wohl steigen, so Karl-Hermann Rehr.

Als Zeichen der „Solidarität und Hilfsbereitschaft aus der Mitte der Gesellschaft“  erhielt der Kieler Polizist, der bereits bei einer Festnahme vor zwei Jahren bei einer Widerstandshandlung ein gebrochenes Handgelenk erleiden musste, eine Zuwendung des Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not (HUPF).

Vorsitzender des Vereins ist Landtagspräsident Klaus Schlie, der den 37-Jährigen  als einen „Helden des Alltags“ bezeichnete und  der Familie einen Gutschein über einen einwöchigen Kuraufenthalt im Sauerland sowie einen Benzingutschein übergab: „Das war mehr als heftig, was Sie erleben mussten. Eine brutale und hinterhältige Tat.“  Schlie bemängelte, dass die staatliche Autorität zu sehr verloren gehe, die aktuelle Diskussion über eine Strafrechtsverschärfung „notwendig“ sei: „Die Grenzen sind erreicht.“

Und wie geht es für den Beamten weiter? „Zu Hause habe ich Abstand  gewonnen“, sagt der Mann, der mit seiner Familie im Kieler Umland lebt – „aber ich weiß natürlich nicht, wie es ist, wenn ich wieder im Dienst  bin.“ Denn das hat er vor. Weil ihm die Arbeit   Spaß macht. Seit 2011 ist er in Gaarden eingesetzt. Vorher war der Beamte, seit 2001 bei der Polizei, bei der 1.  Einsatzhundertschaft. „Ich mag den Abwechslungsreichtum“, sagt  er.  Der Alltag im Einsatzgebiet auf dem Ostufer  sei „stressig und oft unangenehm. Aber gerade deshalb ist man ja zur Polizei gegangen.“

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erstellt am 15.Sep.2016 | 07:29 Uhr

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