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Kiel

23. März 2017 | 01:26 Uhr

Kieler Wirtschaft : Mitten im Strukturwandel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die KiWi, die Kieler Wirtschaftsförderung, sucht händeringend nach Gewerbeflächen. Denn die sind äußerst knapp an der Förde. Das hängt auch mit dem anhaltenden Strukturwandel zusammen. So soll auch eine „Digitale Woche“ die Attraktivität der Stadt steigern

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Kiel wächst. 249  000 Köpfe hat die jüngste Statistik ergeben – 20  000 mehr als zur Jahrtausendwende. Die Stadt braucht folglich mehr Platz für Wohnungen. Die Kehrseite der Medaille: Es fehlen geeignete Gewerbeflächen. Der Bedarf lag bei durchschnittlich fünf Hektar in den vergangenen Jahren. Werner Kässens, der Chef der Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi), wäre froh, könnte er diesen Wert heute noch erreichen. Aktuell konnte die KiWi Betrieben, die sich neu ansiedeln oder erweitern wollen, im abgelaufenen Jahr nur einen einzigen Hektar anbieten.

„In diesem Jahr knatscht es noch mal“, diagnostizierte Kässens gestern. Erst für 2018 rechnet er mit spürbaren Verbesserungen. Etwa weil das gemeinsame interkommunale Gewerbegebiet in Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) dann aufnahmebereit sein wird. 14,5 Hektar stehen den Firmen dort zur Verfügung.

Die KiWi will auch den anhaltenden Strukturwandel – weg von der klassischen Industrieproduktion, hin zu einer modernen „digitalen Wirtschaft“ – aktiv begleiten. Kässens spricht von einem „Umnutzungsdruck“ bei den Gewerbeflächen, der durch „teils extreme Altlastenproblematik“ verschärft werde. Das gilt etwa für das ehemalige MFG-5-Gelände zwischen Holtenau und Friedrichsort. Der KiWi-Geschäftsführer wagte keine Prognose, wann das lukrative Gelände tatsächlich geräumt, bebaut und genutzt werden kann.

Doch im Buhlen um die Schaffung neuer Arbeitsplätze hat Kiel, so Kässens, auch einige Trümpfe in der Hand. Der angesehene Bildungsstandort gehört dazu mit seinen 33  000 Studenten, 17  000 RBZ-Schülern und weiteren 1300 Azubis. Soll heißen: Bei gutem Management müssen sich die Firmen keine Sorge um geeigneten Fachkräfte-Nachwuchs machen.

Zudem besitzt die Landeshauptstadt nach Kässens’ Worten einen ausgezeichneten Ruf. Was etwa an der guten Lage, den Freizeitmöglichkeiten und auch an den alternativen Quartieren mit ihren Start-up-Unternehmen liegt. Stolz verweist der KiWi-Chef auf eine gemeinsame Studie mit der Fachhochschule: Jeder zweite Absolvent bleibt nach dem Studium an der Förde wohnen.

Diese Entwicklung will die KiWi stärken. So wird es im Herbst erstmals eine „Digitale Woche“ geben. Sie soll die Zukunftsbranchen fördern und ähnlich wie bei der Kieler Woche viele Ortsfremde mit Kiel vertraut machen. Und ähnlich wie bei der Windjammerparade, wo dem Flaggschiff die kleineren Segler folgen, wünscht sich Kässens beim digitalen Auftritt möglichst viele „Follower“.  

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erstellt am 09.Mär.2017 | 18:50 Uhr

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