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Kiel

10. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Kiel : Missbrauchsprozess: Freispruch für Ex-Olympia-Trainer bestätigt

vom

Die Anklage warf ihm sexuellen Missbrauch einer Schülerin vor. Das Gericht entschied zu seinen Gunsten.

Kiel | Das Landgericht Kiel hat den Freispruch für einen Ex-Olympia-Schwimmtrainer in einem Missbrauchsprozess bestätigt. Die Berufung gegen den Freispruch aus dem Jahre 2013 durch das Amtsgericht Kiel wurde am Donnerstag vom Vorsitzenden Richter als „unbegründet“ verworfen. Die notwendigen strafrechtlichen Kriterien für eine Verurteilung des 44-Jährigen seien nicht nachzuweisen gewesen. Bei der Urteilsverkündung verlas der Richter frühere E-Mails des mutmaßlichen Opfers - einer jungen Schwimmerin - als Indizien für ein Liebesverhältnis aus Sicht der damals Jugendlichen .„In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten), sagte der Richter. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie Revision einlegt.

Die Anklage warf dem früheren Schwimmtrainer vor, er habe die von ihm betreute Sportlerin von 2004 bis 2006 sexuell missbraucht und dabei das Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt haben. Damals war die junge Frau 16 bis fast 18 Jahre alt. Laut Richter soll die Jugendliche auch nach ihrem 18. Lebensjahr noch eine Beziehung zu ihrem Trainer gehabt haben. Es sei nicht auszuschließen, dass die junge Frau die sexuellen Handlungen im Zuge einer Therapie später umgedeutet habe, erklärte der Richter. Sie hatte den Mann 2009 angezeigt. Gegen den Freispruch von 2013 legten Staatsanwaltschaft und auch das mutmaßliche Opfer Berufung ein.

Dass ein deutlich älterer Mann zu einer Jugendlichen sexuelle Kontakte habe, könne als moralisch anstößig bewertet werden, sagte der Richter am Donnerstag. Es sei aber strafrechtlich nicht relevant. Der Mann hat den Vorwurf sexuellen Missbrauchs stets bestritten.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, sich erstmals während eines gemeinsamen Urlaubs auf Kreta an seiner damals 16-jährigen und sexuell völlig unerfahrenen Schwimmschülerin vergangenen zu haben.

Bis zu neun Mal pro Woche trainierte er die junge Frau und bestimmte ihr Leben laut Anklage bis in die Essenspläne. Zu den Übergriffen kam es demnach auch in seiner Wohnung, in einem Berliner Hotel, einer Umkleidekabine im Ostseebad Scharbeutz und im Auto. Dabei soll der Angeklagte Weinen und Schmerzen des Mädchens bewusst ignoriert haben. 

Ein erster Prozess war Ende 2012 kurz vor dem Urteil geplatzt, weil das Schöffengericht dem Antrag der Verteidigung auf ein Glaubwürdigkeitsgutachten stattgab. Für den Sportwissenschaftler bedeutete das Verfahren das Aus als Schwimmtrainer. Sein damaliger Verein kündigte ihm fristlos. Wären die Vorwürfe früher bekanntgewesen, hätte er schon nicht mit zu den Olympischen Spielen 2012 fahren dürfen, hieß es. 

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erstellt am 10.Nov.2016 | 16:36 Uhr

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