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Kiel

23. März 2017 | 11:32 Uhr

Prozess in Kiel : Marzipan-Erpresser: Urteil schon am ersten Prozesstag gefallen

vom

Der 38-Jährige sorgte in Kiel für Angst und Schrecken. Er drohte, Kinder mit Marzipan zu vergiften, und erpresste Coop.

Kiel | Nach einem Tag ist der Prozess schon vorbei: Der sogenannte Marzipan-Erpresser von Kiel ist am Montag wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 38-Jährige im September auf Schulhöfen in der Landeshauptstadt mit Insektiziden vergiftete Marzipanherzen ausgelegt hatte. Damit habe er seiner Forderung Nachdruck verleihen wollen, von dem Unternehmen Coop drei Millionen Euro in der Internetwährung Bitcoin zu erpressen, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Jacobsen. Er betonte, das Besondere an diesem Fall sei, dass die Gesundheit von Schulkindern als Druckmittel eingesetzt wurde: „Die halbe Stadt war beunruhigt.“

Die Kammer folgte mit ihrem Urteil der Auffassung der Staatsanwaltschaft, die sich ebenfalls für eine Verurteilung wegen versuchter räuberischer Erpressung aussprach. Der Verteidiger dagegen wollte eine Verurteilung lediglich wegen schwerer Nötigung. Die Angaben des Angeklagten, dass die Tat keine Erpressung sein sollte, sondern eine Art Testlauf für ein nicht entschlüsselbares Computerprogramm, das er später verkaufen wollte, glaubte die Kammer jedoch nicht. „Wir sind überzeugt, dass Sie Coop erpressen wollten“, erklärte Jacobsen.

Das Gericht hatte zunächst versucht, eine Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten herbeizuführen. Zu einem solchen sogenannten Deal kam es aber nicht, wie der Vorsitzende Richter betonte. Dass der Prozess dennoch nach nur einem Tag abgeschlossen werden konnte, lag nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor allem an der guten Beweislage.

Der Kieler legte im September 2016 zwei Schachteln vergiftete Marzipanherzen an einer Schule aus und verschickte per E-Mail Bombendrohungen gegen drei weitere Schulen. Spürhunde und Sprengstoffexperten waren in der Muhliusschule und danach an der Käthe-Kollwitz-Schule und der Hebbelschule im Einsatz.

Betreten verboten: Die Käthe-Kollwitz-Schule in der Harmsstraße in Kiel.
Die abgesperrte Käthe-Kollwitz-Schule in der Harmsstraße in Kiel. Foto: Dieter Suhr
 
Was ist Bitcoin?

Bitcoin ist eine digitale Währung, die im Internet entstand. Sie ist seit 2009 im Umlauf. Bitcoins werden in komplizierten Rechen-Prozessen erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Sie kommen vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz.

Bitcoins sollen einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Wegen geringer Kontrolle und großer Schwankungen sind Bitcoins umstritten. Als Urheber des Bitcoin-Konzepts gilt eine Figur namens Satoshi Nakamoto. Wer sich dahinter verbirgt, ist ungeklärt.

 

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte den Mann am 19. September in seiner Wohnung festgenommen. Der Beschuldigte sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er schweigt zu den Vorwürfen. Die Marzipanherzen waren mit einem natürlichen Insektenmittel manipuliert worden, wie Untersuchungen später ergaben. Der Stoff wirkt gegen Insekten, soll für Menschen aber nicht tödlich sein.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 11:29 Uhr

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