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Kiel

02. Dezember 2016 | 23:29 Uhr

Ermittlungen : Lösten Kerzen den Brand aus?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sieben Verletzte nach verheerendem Feuer in Kieler Innenstadt: Polizei überprüft Hinweise auf fahrlässige Brandstiftung eines Wohnungsinhabers.

Die Flammen haben kohlschwarze Spuren an den Fenstern auf der Rückseite des Hauses hinterlassen. Das ganze Ausmaß des verheerenden Feuers vom frühen Donnerstagmorgen mit sieben zum Teil schwer verletzten Bewohnern aber wird im Flur und am Eingang der Brandwohnung deutlich. In roter Neonfarbe warnt dort ein Zettel der Polizei an der Wand: „Brandstelle beschlagnahmt – Betreten verboten!“ Die Tür steht offen, überall Rußflecken, die Tapeten sind angesengt oder abgerissen. Auf dem Fußboden liegt Unrat – das, was die Flammen übrig gelassen haben.

Gegen 3.30 Uhr erreichte die Feuerwehr der Alarm aus dem fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus an der Kieler Mittelstraße. „Als wir eintrafen, schlugen die Flammen schon meterhoch vorn und hinten aus dem Gebäude“, berichtet Thomas Börner von der Einsatzleitstelle der Feuerwehr. Mit Hilfe von tragbaren Leitern wurden drei Bewohner über ein Fenster im zweiten Stock gerettet. Insgesamt sechs Personen mussten wegen Rauchgasvergiftung behandelt werden, drei davon in der Uniklinik. Am schlimmsten getroffen hat es den 27-Jährigen, in dessen Wohnung das Feuer ausbrach. Er wurde mit schweren Brandverletzungen zur Behandlung ins Lübecker Uniklinikum geflogen.

Thomas Börner berichtet: „Er war draußen vor dem Gebäude, etwas im Hintergrund bei einem Hochbeet. Kollegen haben ihn zunächst nicht bemerkt.“ Der Mann hatte trotz seiner schweren Verletzungen offenbar keine Schmerzen gehabt – laut Börner ab einem bestimmten Schweregrad kein ungewöhnliches Phänomen. „Plötzlich fing er an zu röcheln. Erst da sind sie auf ihn aufmerksam geworden, halfen ihm sofort.“ Der Einsatz wurde gegen 6 Uhr am Morgen beendet. Etwa 70 Feuerwehrkräfte hatten geholfen. Die Schadenshöhe ist noch unklar, drei Wohnungen sind unbewohnbar. Die Polizei ermittelt, kann aber nach Auskunft eines Sprechers wohl erst heute den Brandort betreten: „Die Ursache ist noch unklar. Wir haben aber Hinweise auf fahrlässige Brandstiftung.“

Unter den Hausbewohnern kursiert ein mögliches Szenario. Demnach soll der 27-Jährige brennende Kerzen in seiner Wohnung vergessen haben und eingeschlafen sein. Eine 27-Jährige Nachbarin hat dies auch gehört, sie selbst hat den jungen Mann nach eigener Aussage „in Unterhose wild durch den Hausflur rennen sehen – vermutlich unter Schock“. Sie selbst verspürt am Morgen nach dem Feuer „nur ein Kratzen im Hals“, beim Arzt war sie nicht, bei der Arbeit habe sie sich aber abgemeldet. „Ich erinnere mich an Geschrei im Treppenhaus, ich konnte meine Tür nicht öffnen, weil es im Flur schon zu heiß war“, erzählt sie. Irgendwann sei sie dann gerettet worden. Und sie sagt: „Meine Wohnung ist ja bewohnbar, nur die Tür ist von außen beschädigt. Aber das Café unter uns hat es stark getroffen.“

Sie meint das besonders bei Studenten beliebte Café Resonanz. Rauch hängt dort im Erdgeschoss noch in der Luft, Löschwasser tropft durch die Decke. Betreiber Ibrahim Hamada und sein Team räumen Regale leer, hängen Türen aus und nehmen die Deckenverkleidung ab. Mobiliar und die neue, große Kaffeemaschine – sein ganzer Stolz – sind notdürftig mit Plastikfolie abgedeckt. Zwangspause für Hamada. Ärgerlich für den Gastronomen, der erst vor drei Wochen die erweiterten Räumlichkeiten eingeweiht hatte. Nun weiß er nicht einmal, ob die Kaffeemaschine noch funktioniert. Der Strom ist vorerst abgestellt. „Auch im Keller gibt es Schäden, dort ist unsere Küche. Das müssen wir alles in Ordnung bringen“, sagt er. Dann hilft Hamada seinen Leuten dabei, eine Vitrine wegzutragen. An der Tür hängt schon ein Schild: Heute geschlossen.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 06:40 Uhr

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