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Kiel

03. Dezember 2016 | 05:44 Uhr

Kiel : Leiche im Müllsack: Der Tod von Denise B. bleibt ungelöst

vom
Aus der Onlineredaktion

Vor drei Jahren starb Denis B. Die Todesursache konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Es bleibt bei Vermutungen.

Kiel | Ihr Tod bleibt vermutlich für immer ungeklärt: Die Kieler Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall Denise B. (20) eingestellt. Die Leiche der jungen Mutter war vor drei Jahren in einem Müllsack an der B76 in Kiel gefunden worden – vollkommen skelettiert.

Oberstaatsanwalt Axel Bieler: „Wir haben keine Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen. Und die Gerichtsmedizin konnte auch die Todesursache nicht ermitteln.“ Es gibt damit keine Antwort darauf, ob Denise B. an einer Erkrankung verstorben ist, an einer Überdosis oder ob sie doch ermordet wurde. Der Täter gilt somit für die Behörden als nicht ermittelbar. „Sollten wir neue Hinweise zu den Umständen ihres Todes erhalten, werden die Ermittlungen wieder aufgenommen“, erklärt Bieler.

Denise B. war zuletzt im August 2012 gesehen worden, als sie im Kieler Stadtteil Gaarden, in dem sie lebte, in ein Auto stieg. Die Familie erstattete nach ihrem Verschwinden Vermisstenanzeige. „Meine Tochter ist nicht der Typ, der sich nicht meldet“, hatte die Mutter den Beamten damals erklärt. Die Polizei startete jedoch keine Suchaktion, die Vermisstenplakate druckte und verteilte die Familie selbst.

Der mutmaßliche Grund für die Zurückhaltung der Behörden: Denise B., Mutter von zwei Kindern, führte ein unstetes Leben. Sie hatte bereits mit 13 Jahren begonnen, Drogen zu nehmen und arbeitete als Prostituierte.

Die Familie will sich zur Einstellung des Verfahrens nicht äußern, ihr Ex-Freund, der von einem Gewaltverbrechen überzeugt ist, sagt: „Nun kommen diese Leute damit durch. Das ist doch wie ein Freifahrtschein dafür, das nächste Mädchen umzubringen.“ Er vermutet den Mörder im Umfeld ihres Zuhälters. Laut ihrem Ex-Freund wurde Denise B. behandelt wie eine Ware. „Sie schrieb mir, teilweise seien ihr von ihrem Zuhälter die Augen verbunden worden, teilweise habe sie K.O.–Tropfen bekommen, um dann zum Sex in Hotels gebracht worden zu sein.“

In einem Prozess 2011 hatte Denise B. als Zeugin gegen ihren Zuhälter ausgesagt. Der Türke wurde wegen Menschenhandels, Körperverletzung, Bedrohung und Förderung der Prostitution zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Ex-Freund: „Selbst wenn sie doch an einer Überdosis gestorben ist, würde man sie dann zerstückeln, in eine Mülltüte stecken und so öffentlich an den Straßenrand legen?“

Eine Autofahrerin entdeckte den blauen Müllsack, aus dem Knochen ragten, im Unterholz. Er muss Monate dort gelegen haben. Ein DNA-Abgleich ergab, dass es sich um die sterblichen Überreste von Denise D. handelte.

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erstellt am 15.Jul.2016 | 18:08 Uhr

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