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Kiel

04. Dezember 2016 | 02:57 Uhr

Nacht der Museen : Leckerbissen für Kulturhungrige

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Musik und Erzählungen, eine nostalgische Dampferfahrt, Mitmach-Aktionen und vieles mehr: Bei der Museumsnacht wurden insgesamt 27 000 Besucher in den Häusern gezählt. Ganz oben in der Beliebtheitsskala standen die Kunsthalle und das Schifffahrtsmuseum.

Dörte und Hartmut Nachtigall hatten sich ihre Route zurechtgelegt. Warleberger Hof, Schifffahrtsmuseum, Kunsthalle, Medizinhistorische Sammlung – und danach ging’s kulturell gesättigt und zufrieden nach Hause. Anders Samantha Theinert: Die Elfjährige und ihren Vater zog’s auf Ostufer, in der alten HDW-Gießerei wollten sie eigenhändig einen Kiel-Fisch produzieren. Christiane Horn schließlich genoss mit ihrem Begleiter die laue Nacht, sie ließ sich treiben durch die Kieler Museumsnacht. Ihr erster nostalgischer Programmpunkt: mit der musealen „MS Stadt Kiel“ quer über die Förde.

So umfangreich die Angebote waren, so verschieden waren auch die Erwartungen und Wünsche der Besucher. Insgesamt 25 Häuser – vom Atelierhaus im Anscharpark bis zum Zoologischen Museum – hatten am Freitagabend bis Mitternacht (und länger) ihre Tore geöffnet. Spitzenreiter in der Publikumsgunst waren diesmal die Kunsthalle und das Schifffahrtsmuseum mit jeweils 2200 Besuchern. Insgesamt wurden 27  000 Gäste gezählt, im Vorjahr waren es noch 34  000. Der Rückgang mag nach Einschätzung von Chef-Organisatorin Angelika Stargardt daran gelegen haben, dass noch Schulferien sind und es außerdem mit der Ü-60-Party am Bootshafen und dem Abschlusskonzert des Musik-Festivals attraktive Alternativen gab. Aber immerhin: „Wir haben so gut wie keine negative Rückmeldung. Alle Leute waren sehr zufrieden. Und überall standen die Tütenlampen. Das wird allmählich unser Erkennungszeichen.“

Im Mediendom in Dietrichsdorf war sogar eine Weltpremiere zu bestaunen,worauf man bei der Fachhochschule laut Heidemarie Goerigk besonders stolz war. Der vor zehn Jahren erblindete Kieler Mathematik- und Physikstudent Niels Luithardt (33) präsentierte die erste drehbare Sternenkarte für Blinde, die den aktuellen Sternenhimmel anhand der wichtigsten Orientierungspunkte ertasten können.

Nebenan beim Theatermuseum saßen schon vor dem offiziellen Beginn der Museumsnacht die ersten Besucher vor der Tür und lauschten mit einem Gläschen Sekt in der Hand den humorigen Geschichten von Wasser und Seefahrt. Norbert Aust, ehemaliger Leiter des Werftparktheaters und seit Mai Vorsitzender des Theatermuseums, präsentierte sich in grüner Verkleidung als Neptun. Auch Ilona Clement aus Kronshagenund Marina Zöllkau aus Kiel hörten ihm gespannt zu. Die beiden Frauen hatten noch die Sternwarte und das Computermuseum auf ihrem persönlichen Programm, bevor die „Stadt Kiel“ sie zum Westufer bringen sollte. „Alles, was ich im letzten Jahr nicht geschafft habe, kommt dieses Mal dran“, nahm sich Ilona Clement vor.

Zum Geheimtipp der Museumsnacht gehört seit Jahren die Landesbibliothek. Ihr Leiter Jens Ahlers begrüßte seine Gäste in der perfekten Uniform eines historischen Admirals und präsentierte die Ausstellung über Möbel und nautisches Gerät der Seefahrer. Es ist eine ungewöhnliche Sammlung von maritimen Kostbarkeiten. Ein musikalisches Kleinod ist die Gruppe Jazzin’ Four. Die vier alten Herren boten einmal mehr Dixieland- und Swing-Evergreens vom Feinsten, und das kulinarische Angebot erreichte Gourmet-Standard.

Es war nicht das einzige erfolgreiche Beispiel, wie man „Museum“ attraktiver machen kann. Viel Beifall gab’s im Warleberger Hof, wo Maike Enterich und Eckhard Broxtermann – passend zur aktuellen Bahn-Ausstellung – zur musikalischen Zeitreise einluden. Und im romantisch erleuchteten Klostergarten empfing Gerd Heinrich als „Klostervogt“ seine Gäste. Bis weit in die Nacht hinein saß man hier bei einem Gläschen zusammen. Ganz langsam klang die Kieler Museumsnacht aus.

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erstellt am 28.Aug.2016 | 22:50 Uhr

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