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Kiel

07. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Landgericht Kiel : Lebenslange Haft für Mord an Schwägerin in Schönkirchen

vom

Das Gericht wertet den Angriff als Mord: Eine Frau muss für die tödlichen Messerstiche an ihrer Schwägerin lebenslang ins Gefängnis.

Kiel | Laut Anklage stach sie 17 Mal zu: Für eine tödliche Messerattacke auf ihre Schwägerin in Schönkirchen (Kreis Plön) hat das Landgericht Kiel eine 39-Jährige am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter werteten die Tat als Mord und folgten damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die Verteidigung hatte dagegen auf acht Jahre für Totschlag im Zustand verminderter Schuldfähigkeit plädiert. Mit gesenktem Haupt nahm die Frau das Urteil auf. Die neun Jahre alte Tochter des Opfers hatte die Bluttat im September 2015 mit ansehen müssen.

Ursprünglich war die Frau von der Staatsanwaltschaft wegen Totschlags angeklagt worden. Die Richter werteten das Geschehen aber nicht als spontane Messerattacke, sondern als Mord. „Die Voraussetzungen der Heimtücke sind erfüllt“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in seiner knapp zweistündigen Urteilsbegründung. Die Frau sei zielgerichtet vorgegangen.

Die Kammer folgte damit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die Verteidigung hatte dagegen auf acht Jahre für Totschlag im Zustand verminderter Schuldfähigkeit plädiert. Nach Ansicht des Gerichts war sie jedoch voll schuldfähig.

Laut Brommann sind in dem Verfahren jedoch „viele Fragen offen geblieben“. Das Gericht habe Schwierigkeiten bei der Aufklärung des Sachverhalts gehabt. Mehrere Angehörige hätten geschwiegen, eine Zeugin habe die Unwahrheit gesagt.

Im Eingangsbereich vor der Haustür hat die Frau nach Ansicht des Gerichts ihre gleichaltrige Schwägerin im September 2015 mit 17 Messerstichen getötet- vor den Augen der damals neunjährigen Tochter des Opfers. Hintergrund der Messerattacke sollen familiäre Streitigkeiten sein. Die Angeklagte soll erbost gewesen sein, dass ihre Schwägerin kurz nach dem Tod ihres Ehemannes ein Verhältnis zu einem anderen Bruder der Angeklagten eingegangen war.

Die neun Jahre alte Tochter des Opfers musste die Bluttat hilflos mit ansehen. Im Laufe des Prozesses sagte das Mädchen als Zeugin aus, wie die Mutter starb. Nach Darstellung des Kindes tauchte die Angeklagte spätabends vor dem Haus auf, stürzte sich auf seine Mutter und brachte diese zu Fall. Sie habe gerufen: „Ich werde Dich töten! Ich hab Dir gesagt, ich bring Dich um.“ Das Opfer habe vergeblich gebeten, aufzuhören: „Meine Mama sagte, hör auf, ich hab ein Kind. Du müsstest das doch verstehen, Du hast doch auch ein Kind“, sagte die Kleine mit leiser Stimme. Sie habe versucht, die Tante von der Mutter wegzuziehen. „Doch die hat immer weitergemacht.“ Überall sei Blut gewesen. Während ein Video mit der Aussage des Mädchens abgespielt wurde, herrschte Stille im Gerichtssaal. Die Angeklagte blickte nicht auf.

Die Version der Angeklagten sieht anders aus: Sie habe am Tatabend in ihr Auto an ihrem Wohnhaus steigen und tanken fahren wollen. Dabei habe sie aus den Augenwinkeln in einem vorbeifahrenden Auto ihre Schwägerin gesehen und spontan beschlossen, ihr zu folgen. Sie habe die Schwägerin wegen Beleidigungen wie „Schlampe“ zur Rede stellen wollen. Als diese ein Messer zückte, habe sie es ihr entwenden können und zugestochen. Bei einem Ortstermin am Wohnhaus der Angeklagten sagte der Vertreter der Nebenklage, die Darstellung der Verurteilten könne aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht stimmen.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 16:31 Uhr

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