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Kiel

09. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Warnstreik : Kitas dicht: „Viele Eltern sind entsetzt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Hälfte der 40 städtischen Kitas blieb im Streik geschlossen, fast alle waren beeinträchtigt. Auch das Rathaus war dünn besetzt, das Theater war ebenfalls betroffen.

Verlassene Spielgeräte hinterm Zaun, kein Kinderlachen, alles ruhig in der städtischen Kita Helmholtzstraße in Gaarden. Vorn an der gelben Eingangstür warnt ein selbstgemaltes Plakat die Eltern: „Wir streiken!“ – mit türkischer Übersetzung. Normalerweise besuchen rund 100 kleine Kinder die Einrichtung auf dem Kieler Ostufer. Am Warnstreik-Tag wurden vier Sprösslinge in die Obhut einer Notbesetzung übergeben, wie eine Mitarbeiterin mitteilt. Die meisten Eltern hätten den Nachwuchs zu Hause behalten. Etwa 14 Kräfte seien im Ausstand, berichtet sie. Vier Mitarbeiter hätten sich zum Notdienst bereit erklärt. Sie selbst sei erst sehr kurz dabei und wolle die Entwicklung „erst mal beobachten“, sagt sie zurückhaltend. Vielleicht hat sie auch Angst um ihren Job. Zwischen den Zeilen klingt es so.

Bis zu 400 Erzieherinnen und Erzieher aus Kiel gingen neben Verwaltungs- und Stadtwerkekräften oder Müllwerkern auf die Straße, mindestens die Hälfte der gut 40 Kitas blieb dicht, die meisten anderen waren beeinträchtigt: Massiv hat sich der Warnstreik der Gewerkschaften Verdi und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) nach Auskunft des Geschäftsführer der GEW im Norden, Bernd Schauer, gestern in der Landeshauptstadt ausgewirkt. Auch das Kieler Theater musste gestern Abend wegen des Streiks Vorstellungen ausfallen lassen oder ersetzen. Schauer deutete die „gute Teilnahme als Zeichen, dass die Beschäftigten das Arbeitgeber-Angebot für eine Zumutung halten und bereit sind, das dem Arbeitgeber deutlich zu machen“.

Eine Kieler Erzieherin, die schon lange im Dienst der Stadt arbeitet und ihren Namen nicht nennen möchte, berichtet von einem emotionalen Zwiespalt in ihrem Team. Auf der einen Seite versteht sie die Not der Eltern. „Ziemlich viele waren entsetzt, dass schon wieder gestreikt wird“, erzählt die Erzieherin. Der Druck werde an der falschen Stelle aufgebaut, findet sie. Auf der anderen Seite unterstützt sie selbst die Forderung der Gewerkschaft nach mehr Lohn, „damit der Beruf des Erziehers endlich mal aufgewertet wird“. Besonders die Sozialpädagogischen Assistenten „auf der untersten Stufe“ hätten dies verdient.

Sechs Prozent mehr Gehalt - so lautet die Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Ist das berechtigt? Die Kielerin Kerstin Schemel, die am Morgen ihre vierjährige Tochter in die städtische Kita in der Beselerallee gebracht hat, findet diese Forderung „recht hoch – das kriegt man in der freien Wirtschaft nicht“. Zudem sei der Beruf des Erziehers gar nicht so schlecht bezahlt, wenn man ihn mit Pflegekräften im Krankenhaus vergleiche, sagt sie zweifache junge Mutter. Ein Problem sei der Warnstreik für sie aber nicht. Da sie mit ihrem jüngsten Sohn Emil noch zu Hause ist, könne sie auch ihre Tochter betreuen. „Kein Verständnis mehr“ für den erneuten Streik nach so kurzer Zeit im vergangenen Jahr äußert hingegen Katrin Sewell, Mutter einer fünfjährigen Tochter in derselben Kita „Es ist ärgerlich.“ Am kommenden Dienstag solle der Elementarbereich der Kita geschlossen bleiben – zum Glück springe die da Großmutter ein.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 06:10 Uhr

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