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Kiel

04. Dezember 2016 | 21:27 Uhr

Gefahr von oben : Kieler Rathausturm bröckelt - Sanierung kostet über 3 Millionen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Fassaden am Rathausturm sind in „besorgniserregendem Zustand“: Lose Stücke hätten herabstürzen können.

Kiel | Die Stadt beobachtet den Zustand des Rathausturms schon seit einigen Jahren „mit Besorgnis“. Von den Balkonen aus wurden Mosaik, Fugen, Turmuhr, Mauerwerk und Sandstein begutachtet – seit 2010. Jetzt ist klar: Zusehen reicht nicht mehr. Der Turm muss dringend saniert werden. Auch, um Gefahren durch einen möglichen Steinschlag für Mitarbeiter und Passanten abzuwenden. Denn das mehr als hundert Jahre alte Wahrzeichen der Stadt – 106 Meter hoch –, es bröckelt. Die Sandstein-Fassade hat sich gelockert.

Die Sanierung wird in jedem Fall Konsequenzen haben: Die Rathausturm-Führungen werden im Zuge der Bauarbeiten zeitweise nur eingeschränkt möglich sein. Gleiches gelte für die generelle Nutzung der Aussichtsplattform, so die Stadt.

Nur durch Zufall haben Industriekletterer erstmals diese Schäden festgestellt und per Kamera dokumentiert, als sie im Frühjahr wegen eines gebrochenen Zeigers der Turmuhr an der Fassade tätig wurden. Dabei mussten sie bis zu 40 Zentimeter lange Sandsteinbrocken sichern, die sich „augenscheinlich gelockert“ hatten, wie Kiels Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) jetzt in einer Mitteilung für die Sitzung des Bauausschusses Anfang Oktober erklärt.

Todeskino beschreibt in seiner Mitteilung: „Die Auswertung der Aufnahmen zeigt, dass der Zustand der Fassaden, insbesondere des weißgrauen Mainsandsteins, besorgniserregend ist.“ Sandsteine seien als Bauteile in einem Rhythmus von 40 bis 50 Jahren zu pflegen – „dieser Rhythmus ist am Kieler Rathausturm mit dem doppelten Maß überschritten“, hält der Bürgermeister fest.

Warum ist diese Pflege über all die Jahre vernachlässigt worden, bis die Fassade zur Gefahr, vielleicht sogar Lebensgefahr für Mitarbeiter und Passanten wurde? Arne Ivers aus dem Pressereferat der Stadt erklärt dazu: „Eine regelmäßige Wartung gab und gibt es nicht. Das Thema stand jedoch schon länger auf der Agenda.“ Wegen des hohen Investitionsstaus habe man dies noch nicht verwirklichen können. Ivers: „Nun wurde – nachdem der Handlungsbedarf aktuell erkannt wurde – das Thema direkt angegangen.“

Vorsorglich waren bereits Mitte Mai in den Rathaus-Innenhöfen und auf angrenzenden Dächern Gerüste aufgebaut worden. Diese sollen Gefahren durch einen eventuellen unkontrollierten Steinschlag verhindern – bis zum Beginn der Sanierungsarbeiten im kommenden Frühjahr. Ein bereits existierendes internes Gutachten zur Sanierung des Turms wurde laut Bürgermeister Todeskino anhand der neuen Erkenntnisse angepasst. Damit einher ging auch eine neue Kostenschätzung. Diese beläuft sich nun nach Angaben des Bürgermeisters auf exakt 3.138.631 Euro – ohne Nebenkosten. Die Mittel seien bereits zum Haushalt angemeldet worden.

Als erster Schritt soll ein Architekt mit der Sanierung beauftragt werden. Dazu ist eine positive Entscheidung des Finanzausschusses notwendig. Diese soll laut Todeskino in der kommenden Sitzung eingeholt werden. Der geplante Bauablauf: Der Turm soll Anfang 2017 eingerüstet und das Gerüst vollständig mit Planen umhüllt werden. Vorgesehen sind nach Angaben aus dem Rathaus ein teilweiser Ersatz des vorhandenen Sandsteins sowie eine teilweise Sanierung, zudem eine Instandsetzung des Mauerwerks. Die Arbeiten sollen von März bis Oktober vorgenommen werden, um die Bauzeit auf ein Jahr zu begrenzen.

Und was passiert mit dem Wanderfalken-Paar, das in diesem Frühjahr im Turm gebrütet hat? „Hier bleibt abzuwarten, ob der Falke im kommenden Jahr zurückkehrt. Wie er auf möglichen Baulärm reagiert, kann jetzt noch nicht abgesehen werden“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 06:17 Uhr

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