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Kiel

25. März 2017 | 14:43 Uhr

Thyssenkrupp Marine Systems : Kiel: TKMS übergibt U-Boot an Ägypten

vom

Bei dem Festakt wurde ein zweites U-Boot getauft. Dafür wurde extra eine Flasche heiligen Wassers aus Mekka geliefert.

Das erste von vier U-Booten für Ägypten – „S41“ – ist am Montag in Kiel offiziell der ägyptischen Marine übergeben worden. Außerdem wurde bei dem Festakt mit militärischem Zeremoniell ein zweites U-Boot auf den Namen „S42“ mit einer Flasche Wasser aus Mekka „getauft“. Der Befehlshaber der ägyptischen Marine, Vizeadmiral Osama Monir Mohamed Rabie, unterstrich die Bedeutung der U-Boote zur Sicherung der ägyptischen Küsten und maritimen Wirtschaftszonen.

 

 

Rabie ging auch auf den Anschlag eines Selbstmordattentäters auf eine koptische Kirche am Sonntag in Kairo ein, bei dem mindestens 23 Menschen starben. Den Terrorismus zu zerstören, sei eine gemeinsame internationale Aufgabe, sagte Rabie. Es handle sich nicht um einen Krieg der Religionen. Die Kopten sind eine christliche Minderheit im überwiegend muslimischen Ägypten. Zum Auftakt des Festakts zur Übergabe und Taufe der beiden U-Boote auf der Werft Thyssenkrupp Marine Systems gedachten die Gäste still der Opfer von Kairo.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), Peter Feldhaus, bezeichnete das Projekt als einen Meilenstein in der Zusammenarbeit mit der Marine Ägyptens. Über die Kosten gab es keine offiziellen Angaben. Es soll bei dem Deal aber mindestens um 500 Millionen Euro gehen.

Die U-Boote sind nach Angaben einer TKMS-Sprecherin rund 62 Meter lang. Nach einem Bericht der „Kieler Nachrichten“ haben die Boote acht Torpedorohre, aus denen bis zu 14 Torpedos und Flugkörper verschossen werden können. Der Zeitung zufolge hat die ägyptische Marine für rund 130 Millionen Dollar 20 Flugkörper des Typs Harpoon UGL-84L in den USA bestellt.

Berichte über den Verkauf von zunächst zwei deutschen U-Booten an Ägypten hatten 2012 in Israel Irritationen ausgelöst. Die Zeitung „Jediot Achronot“ schrieb damals unter Berufung auf Regierungskreise von einer „dramatischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland“. Israel befürchtete dem Bericht zufolge, mit seinen Seestreitkräften ins Hintertreffen zu geraten.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) genehmigte im Februar 2015 den Bau weiterer U-Boote für Ägypten durch TKMS. Er sehe keine Probleme bei diesem Rüstungsgeschäft, sonst hätte er nicht die Herstellungsgenehmigung erteilt, sagte der SPD-Vorsitzende bei einem Besuch der Werft. Diese spielt international eine führende Rolle beim konventionellen U-Boot-Bau. TKMS beschäftigt an den drei deutschen Standorten Kiel, Hamburg und Emden mehr als 3500 Mitarbeiter. Auch für Israel baut TKMS wie für viele andere Staaten U-Boote.

Israel hat bereits fünf U-Boote erhalten, die zum Teil aus deutschen Steuergeldern finanziert wurden. Ein weiteres soll 2017 ausgeliefert werden. Es lag am Montag wenige Meter von den an der Pier festgemachten Booten für Ägypten entfernt in einer Fertigungshalle. Israel erwägt zudem den Kauf drei weiterer U-Boote. Der Kaufpreis der Boote der Dolphin-Klasse wurde vom Wirtschaftsministerium mit rund 600 Millionen Euro beziffert. Für TKMS wäre es ein Milliardengeschäft. Die neuen Boote sollen ab 2027 die in den Jahren 1999 und 2000 in einer ersten Tranche ausgelieferten ersetzen.

In Israel gab es kritische Medienberichte darüber, dass Iran zu den Aktionären der Thyssenkrupp AG gehören soll. Dazu erklärte am Montag das Unternehmen, es gebe keine sogenannten Namensaktien heraus und könne also auch nicht sagen, wer die Inhaber der Aktien sind. „Es ist richtig, dass die iranische Fondsgesellschaft IFIC bis Mai 2003 ca. 7 Prozent der Aktienanteile an Thyssenkrupp gehalten hat. Die IFIC hat aber im Mai 2003 pflichtgemäß gemeldet, dass sie ihren Anteil auf unter 5 Prozent - und damit unter die damals gültige Meldeschwelle - verringert hat. Seitdem gab es von der IFIC keine Meldung mehr. Das heißt, sie hat den Anteil auf keinen Fall wieder auf über 5 Prozent erhöht.“

„S41“ soll nach den Eprobungen der ägyptischen Besatzung voraussichtlich im Frühjahr nach Ägypten überführt werden.

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erstellt am 12.12.2016 | 17:10 Uhr

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