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OB Ulf Kämpfer : Kiel: Aus für die Stadtregionalbahn – stattdessen Straßenbahn?

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Der Nahverkehr in der Landeshauptstadt soll verbessert werden. Die ursprünglich angedachte Stadtregionalbahn wird es aber wohl nicht geben.

Kiel | Das Projekt einer Kieler Stadtregionalbahn ist gescheitert. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) will die Pläne für das 380-Millionen-Vorhaben endgültig beenden. „Es ist jetzt Zeit, eine Zäsur herbeizuführen“, sagte Kämpfer am Dienstag. Das 380-Millionen-Vorhaben habe in den vergangenen Jahren nie die notwendige „kritische Masse der Unterstützung“ erreicht. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“

Zuvor hatte sich nach Neumünster auch der Kreis Rendsburg-Eckernförde aus den Planungen zurückgezogen. Damit unterstützte das seit Jahren immer wieder diskutierte Projekt neben der Stadt Kiel nur noch der östlich angrenzende Kreis Plön. Kämpfer sprach von einem „Fetisch der kommunalpolitischen Diskussion“. Die fehlende Beschlussfassung im Kreis Rendsburg-Eckernförde macht nach Ansicht Kämpfers einen Neustart nötig, wenngleich das Aus nicht allein daran liege.

„Das Ende des Projekts Stadtregionalbahn ist nicht gleichzusetzen mit einer Absage an den schienengebundenen Verkehr in Kiel und der Region“, sagte Kämpfer. Er schlägt der Ratsversammlung nun vor, in den kommenden zwei Jahren über andere Möglichkeiten zum Ausbau des Nahverkehrs zu beraten. „Ich hoffe dafür auf eine breite Unterstützung.“

Offen ist weiter die Frage einer möglichen Rückkehr der Straßenbahn nach Kiel. „Diese Frage sollten wir uns stellen“, sagte der Verwaltungschef. Ins Spiel brachte er etwa eine Kieler Stadtbahn, die später möglicherweise doch über die Stadtgrenzen hinaus erweitert werden könnte. Geklärt werden soll auch, ob und unter welchen Bedingungen ein Ausbau der Schienenverkehre in Kiel und der umgrenzenden Region möglich ist. „Ich werde mich insbesondere dafür einsetzen, dass der Ausbau der Hein-Schönberg-Bahn jetzt möglichst schnell vorangetrieben wird.“ Die Zahl der Menschen, die zum Arbeiten, Einkaufen oder Schulbesuch nach Kiel fahren oder die Stadt ins Umland verlassen, wächst ständig.

Inzwischen sind es nach Angaben der Stadt mehr als 100.000 Ein- und Auspendler. Viele von ihnen müssen bei der An- oder Abfahrt einen zeitraubenden Umstieg am Hauptbahnhof in Kauf nehmen.

Für das zunächst geplante 380-Millionen-Euro-Vorhaben einer Stadtregionalbahn hatten sich auf Landesebene SPD, Grüne und SSW in ihrem Koalitionsvertrag eingesetzt. Nach Angaben der Stadt Kiel fielen in den vergangenen Jahren dafür 810.000 Euro an Sachkosten an.

Doch umstritten waren die Pläne eigentlich immer. Stets gab es Zweifel an der Wirtschaftlichkeit einer solchen Bahn, die Kiel eng an die Nachbarkreise Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie an die Stadt Neumünster ankoppeln sollte. „Seit Jahren wurden die für den schnelleren Ausbau der S4 und S21 dringend benötigten Regionalisierungsmittel für die unsinnige Grüne Bimmelbahn in Kiel blockiert“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp. „Endlich hat sich die Vernunft durchgesetzt.“

„Besser spät als nie,“ kommentiert der frisch gewählte CDU Kreisvorsitzende Thomas Stritzl, MdB die Entscheidung. Bereits die Ablehnung im Kreis Rendsburg-Eckernförde machte aus der Regionalbahn eine reine Stadtbahn. „Die Verwaltung und die Ratsmehrheit haben viel zu lange an diesem unrealistischen Projekt festgehalten. Dabei wurde wichtige Zeit und noch mehr Geld verschwendet,“ so Stritzl weiter.

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erstellt am 12.Mai.2015 | 14:10 Uhr

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