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Kiel

26. Februar 2017 | 20:17 Uhr

Initiative wird Kleiderspenden nicht los

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weniger Asylbewerber, weniger Bedarf: „Kiel hilft Flüchtlingen“ räumt Lager / 6000 Umzugskartons voller Klamotten gehen ins Ausland

Die wohl bekannteste Initiative für Flüchtlingshilfe in Kiel gibt ihr Spendenlager in der Preetzer Straße auf: Zum einen gibt es nicht mehr genug Abnehmer für die Kleidung im Norden. Zum anderen muss die Einrichtung in der Preetzer Straße bis Ende des Jahres geräumt sein. Die Stadtmission wolle dort neu bauen, schreiben die Aktiven von „Kiel hilft Flüchtlingen“ im Internet-Portal Facebook. Am vergangenen Sonnabend wurde das Lager mit der Kraft von rund 80 freiwilligen Helfern, darunter auch Flüchtlinge, teilweise leer geräumt. Gut 2000 von insgesamt rund 6000 Umzugskartons voller gespendeter Kleidung wurden in zwei Lkw geladen. Die Spenden – 30 Tonnen Frauen- und Kinderkleidung, aber auch Männersachen in großen Größen – sollen nun Flüchtlingen im Nordirak und in Kenia zugute kommen.

Erst im Dezember 2015 war das Lager eingerichtet worden. Stadtmission und Stadtwerke unterstützten die Initiative dabei. Schon damals galt ein Betrieb von einem Jahr als vorläufiger Zeitrahmen. Seitdem nahm das Team aus mitunter bis zu 1500 ehrenamtlichen Unterstützern regelmäßig Kleiderspenden an – für die Versorgung von Flüchtlingen in der Region.

Doch der akute Bedarf an Kleidung in Kiel und Schleswig-Holstein ist deutlich gesunken. Sebastian Rehbach, Vorsitzender des Vereins, erklärt dies mit der „politischen Konstellation in Europa“. Erstaufnahme-Einrichtungen im Norden wurden aufgrund gesunkener Flüchtlingszahlen bereits geschlossen. Auch das Kieler Containerdorf für die Erstaufnahme von Geflüchteten am Nordmarksportfeld soll geschlossen werden. Er sagt: „Wir bringen unsere restlichen Spenden deshalb dorthin, wo sie aktuell dingend gebraucht werden.“

Die Kleidung soll in Kooperation mit „Hanseatic Help“ aus Hamburg und der niederländischen Organisation „HRIF“ in Flüchtlingslager im Nordirak und Kenia transportiert werden. Vor Ort arbeite die „BringHope Humanitarian Foundation“ an der Spendenverteilung.

Mit der Räumung des Lagers wird ein Kapitel in der noch jungen Vereinsgeschichte beendet. Die Initiative nimmt vorerst auch keine Kleiderspenden mehr an. Am Sonnabend, 5. November, sollen ab 9 Uhr die restlichen Kartons voller Kleider für einen Hilfstransport auf mehrere Lkw verladen werden. Auch dafür sucht Kiel hilft Flüchtlingen wieder Helfer, die auch spontan in der Preetzer Str. 5 mit anpacken können.

Die Initiative hatte sich im Sommer 2015 gegründet und nach eigener Aussage „wesentlich dazu beigetragen, dass die Versorgung der ankommenden Flüchtlinge in Kiel und Schleswig-Holstein funktioniert hat“. Von Anfang an hätten die Aktiven Spenden gesammelt, sortiert und an Flüchtlingseinrichtungen im Norden weitergegeben, hieß es. Darüber hinaus war die Initiative stark in die Betreuung der Transitflüchtlinge in Kiel eingebunden und hat Feuerwehr und Hilfsorganisationen in der Markthalle unterstützt.

Derzeit konzentrieren sich die Aktivitäten auf die Integrationsarbeit, wie Vereinschef Sebastian Rehbach sagt. So gebe es zwei offene Sprachtreffs (dienstags und donnerstags) und ein Nähangebot (dienstags). Für die Zukunft plant „Kiel hilft Flüchtlingen“ eine Begegnungsstätte und sucht hierfür nach Räumlichkeiten in der Kieler Innenstadt.

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