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Kiel

08. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Hein schönberg : In der Holzklasse durch die Probstei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lokführer Stefan Dolezal steuert historische Eisenbahnen auf der Strecke zwischen Schönberger Strand und Schönkirchen. Spätestens 2020 soll der Abschnitt wieder ans Bahnnetz angeschlossen sein. Ende des Jahres sollen bereits Züge im Stundentakt zwischen Kiel-Hauptbahnhof und Oppendorf knapp nördlich der Schwentine rollen.

An seine erste Fahrt mit einer der historischen Züge der Schönberger Museumsbahn kann er sich nicht mehr erinnern. „Ich bin da reingeboren“, sagt Stefan Dolezal. Sein Großvater hat den Museumsverein 1976 mit gegründet, sein mittlerweile gestorbener Vater fuhr später Touristen durch den Kreis Plön. Seit Jahren sitzt nun der 38-jährige Stefan im Führerhaus der Museumslok von „Hein Schönberg“ am Hebel.

Der Hörgeräte-Akustiker ist leidenschaftlicher Eisenbahner. „An 35 bis 40 Wochenenden bin ich mindestens einen Tag hier.“ Mit Tempo 25 tuckert die mehr als 50 Jahre alte Diesellok vom Bahnhof am Schönberger Strand in Richtung Landeshauptstadt. Gebaut wurde sie 1960 beim ehemaligen Kieler Lokhersteller MAK. Gegenwärtig werden die Schienenfahrzeuge winterfest gemacht, aber die Vorbereitungen für die neue Saison laufen bereits.

Der älteste Waggon stammt aus dem Jahr 1898. Innen verstrahlt er den längst verblassten Charme der einstigen Holzklasse. „Rund 20  000 Fahrgäste haben wir im Jahr“, sagt Geschäftsführer Christian Aalders. Hinzu kommen etwa 25  000, die mit den Straßenbahnen der Museumsbahn unterwegs sind. „Kaffee-Express“ nennt Dolezal seine Zugverbindung von Schönberger Strand über Probsteierhagen bis Schönkirchen. Knapp eine Stunde braucht der Museumszug für die 16 Kilometer.

Nur die ersten vier Kilometer der Strecke gehören der Museumsbahn. Ab Schönberg ist der Zug dann auf öffentlicher Strecke unterwegs. Die historischen Loks und Waggons bieten aber nicht nur einen Blick zurück in die Vergangenheit, sie signalisieren gleichzeitig eine Zukunft für die Bahn. Denn die gesamte Strecke zwischen Schönberg und Kiel wird wiederbelebt. Auf dem südlichen Abschnitt von Kiel-Hauptbahnhof bis nach Oppendorf sollen schon Ende dieses Jahres die Züge im Stundentakt rollen (wir berichteten), 2020 soll auch Schönberg im Fahrplan erscheinen.

Knapp 20 Eisenbahner sorgen im Museumsverein dafür, dass die alten Waggons weiter durch die Probstei rollen. Teilweise verbringen sie an Wochenenden bis zu zwölf Stunden damit, die alten Maschinen in Schwung zu halten. „Verrückt sind wir alle ein bisschen“, sagt Dolezal. „Man muss schon einen Spleen und ein Faible für alte Loks haben.“ Und sein Großvater ist mit seinen 89 Jahren immer noch regelmäßig dabei. An einen Job als Lokführer hat Dolezal nie gedacht: „Ich wollte Hobby und Beruf immer trennen.“ Dem 38-Jährigen reichen die rund 20 eigenen Touren im Jahr mit der Museumsbahn. Einige von Dolezals Vereinskollegen sind dagegen Berufs-Lokführer.„Die schrauben bei uns aber lieber an den alten Wagen und Loks herum“, sagt er. Beispielsweise arbeiten sie an der Dampflokomotive aus dem Jahr 1920, die seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb ist. Rechtzeitig zu ihrem 100. Geburtstag soll sie aber wieder auf die Schiene.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 18:14 Uhr

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