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Kiel

10. Dezember 2016 | 07:58 Uhr

Polizei-Show : Immer wenn es giftig wird . . .

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der Polizei-Show morgen in der Sparkassen-Arena stellt der Löschzug Gefahrgut aus Stormarn seine wichtige, aber gefährliche Arbeit vor. Andere Attraktionen sind die Höhenretter, eine Motorradstaffel, Rollschuh-Kunstläufer und Zauberei mit der Gruppe Magus Utopia.

„Hat jemand an Flutschi gedacht?“, wird durch den Umkleideraum gerufen. Flutschi? Ein kleines schwarzes Fläschchen wird herumgereicht. „Das wird in Feuerwehrkreisen schon ewig so genannt“, sagt Matthias Stark. Der stellvertretender Bereitschaftsführer des Löschzugs Gefahrgut (LZG) Stormarn grinst. Mit „Flutschi“ verhindern die Einsatzkräfte, dass die Visiere beschlagen, indem sie Atemschutzmaske und Sichtfenster ihres Schutzanzugs damit einreiben.

Und das ist auch nötig bei dieser Übung im Hof der Kreisfeuerwehrzentrale in Nütschau vor den Toren von Bad Oldesloe. Denn morgen – am Sonnabend, 12. November – haben die Feuerwehrleute ihren großen Auftritt bei der Polizei-Show in der Kieler Sparkassen-Arena.

Dass die stattfindet, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Seit der damalige Innenminister Klaus Schlie (CDU) der Veranstaltung die Unterstützung strich, organisiert sie der Polizeisportverein Kiel – gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband und der Sparkassen-Arena. Neben dem LZG sind auch das Feuerwehrorchester und die Berufsfeuerwehr Kiel dabei, die Moderator Ingo Oschmannn von der Hallendecke abseilen wird. „Er soll dabei die Höhenretter interviewen“, sagt Holger Bauer, der Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes. Dazu wird die Motorradstaffel der Polizei Hamburg zu Gast sein, auch Rollschuh-Kunstlauf und eine Freestyle-Show erwarten die Zuschauer. Für Magie sorgt die Gruppe Magus Utopia.

„Es gibt noch reichlich Karten“, sagt Bauer, der Verkauf sei schleppender angelaufen als in den vergangenen Jahren. „Wir hoffen, dass noch möglichst viele Leute zu den beiden Vorstellungen um 14.30 und 20 Uhr kommen, denn wir wollen, dass die Show auch in den kommenden Jahren stattfinden kann.“ Nach dem Aus für die Polizeishow in Neumünster vor einigen Jahren ist die Kieler Veranstaltung die einzige dieser Art in Schleswig-Holstein.

Dort will die Feuerwehr vor allem über das Thema Gefahrgut informieren – und dafür wird fleißig geübt. Undefinierbare Flüssigkeiten, unbekannte Pülverchen oder orange Markierungen an Fahrzeugen – „sobald jemand was von Gefahrgut sagt und der Disponent auf der Leitstelle schaltet, werden wir zur Unterstützung hinzugezogen“, sagt Hauptbrandmeister Stark. 62 Männer und zwei Frauen bilden seine Truppe. Im Alarmfall rücken sie von sieben über den Kreis verteilten Stationen aus.

Feuerwehrarbeit ist grundsätzlich Teamarbeit, im LZG gilt das besonders. Ohne Hilfe kommt niemand in seinen Schutzanzug hinein oder wieder heraus. Mit den Füßen durch den umgekrempelten Anzug in die angeschweißten Stiefel. „Ist die Druckluftflasche geöffnet?“ „Wo soll der Taster für das Funkgerät hin?“ Erst wenn diese Frage beantwortet sind, kann ein Kollege die gasdichte Hülle überstülpen und den Reißverschluss zuziehen.

Aus einem Fass sickert da bereits eine giftig aussehende, neongelb leuchtende Flüssigkeit. „Ganz harmlos, nur Lebensmittelfarbe“, versichert Matthias Stark. Vorsichtig nähern sich die Experten des Löschzugs Gefahrgut. Die Sicht ist eingeschränkt, der fünf Kilogramm schwere Anzug bläht sich von der Atemluft auf. Die Messgeräte der Feuerwehrleute brummen und piepen. Sie können nicht exakt ermitteln, um welchen Stoff es sich handelt, zeigen aber die Konzentration und eine giftige Eigenschaft an. Vorsichtig wird das leckgeschlagene Fass in ein Überfass gehoben und abtransportiert. Knapp 20 Minuten Einsatzzeit haben die Männer nur, bevor die Luft verbraucht ist. Übungsleiter Stark: „Im Ernstfall müssen Rückweg und mögliche Dekontamination auch noch absolviert werden.“ Erst dann können sie sagen, dass der Einsatz richtig „geflutscht“ ist.


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erstellt am 10.Nov.2016 | 18:36 Uhr

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