zur Navigation springen

Kiel

10. Dezember 2016 | 17:42 Uhr

Immer noch zu fünft in einem Zimmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im August 2015 griff die Stadt im überbelegten Mehrfamilienhaus im Kirchenweg ein / Weniger Bewohner / Nach wie vor Einzelzimmervermietung

Vor dieser Gefahr hatte die Stadt gewarnt: Ein Feuer im Mehrfamilienhaus mit der Nummer 34 im Kieler Kirchenweg.

Es ist das wohl bekannteste Haus im Kieler Stadtteil Gaarden. Vor einem Jahr hat es viele Schlagzeilen gemacht – wegen Überbelegung, mangelhaften Brandschutzes und teilweise fehlendem zweiten Fluchtweg. Die Stadtverwaltung griff im vergangenen August ein, ordnete eine Reduzierung der Bewohner auf maximal 40 an. Ein umstrittener Vorstoß, der zum Streit mit dem Hausverwalter führte. Im Internet stellte der seine kritische Sicht auf den Fall dar. Der Aufkleber mit der Adresse www.kirchenweg34.de klebt noch gut sichtbar über der Haustür und an Fenstern. Die Wogen haben sich geglättet, man kooperiert jetzt miteinander. Auch brandschutztechnisch wurde das Haus aufgerüstet. Brandschutztüren und Rauchmelder wurden eingebaut. Offenbar hat sich auch die Bewohnerzahl auf „vielleicht 50 bis 60“ – nach Aussagen von Hausverwalter Erik Währum (GF Consulting) – reduziert. Einige Zimmer sind demnach inzwischen leer und abgesperrt.

Anfang Juni dieses Jahres brach tatsächlich ein Feuer in einem Badezimmer des Gebäudes aus (wir berichteten). Brandursache war laut Polizei ein technischer Defekt. Mehrere Bewohner, darunter Kinder, mussten von der Feuerwehr aus dem vierten und fünften Stock gerettet werden. Eine Frau wurde bei dem Brand leicht verletzt.

Dass nichts Schlimmeres passiert ist, deutet Kiels Bürgermeister Peter Todeskino (kl. Foto) als Bestätigung für die Richtigkeit des Einschreitens der Stadt vor einem Jahr., „Ich bin sehr froh darüber, dass die in der Öffentlichkeit heftig umstrittenen Maßnahmen, die die Stadt vor einem Jahr ergriffen hat, jetzt zu guten Ergebnissen geführt haben. Dies gilt vor allem auch für das Brandereignis Anfang Juni, das unter anderen Umständen ganz anders hätte ausgehen können“, sagte er auf Anfrage.

Bis vor einem Jahr war die Belegung so unübersichtlich, dass in den 44 Zimmern des Hauses aus dem Jahr 1920 zum Teil von 140 dort gemeldeten Personen die Rede war. Vor allem Familien aus Bulgarien und Rumänien leben im Kirchenweg 34 – damals alle zimmerweise. Die Brandschutzmängel und die Überbelegung, „durch die drei oder mehr Personen in einem Zimmer leben“, sah die Stadtverwaltung daher „als unhaltbare Zustände an, die die gesunden Wohnverhältnisse gefährden“.

Auch wenn sich nach Angaben von Stadt und Verwalter vieles im Haus verbessert hat – noch immer sind Flure zugestellt, liegen und hängen Kabel kreuz und quer. Und noch immer werden Zimmer einzeln an Familien vermietet. Das ist der Stadt bekannt: „In Einzelfällen findet nach wie vor eine Vermietung von einzelnen Räumen statt. Dieses steht dann in Einklang mit den brandschutztechnischen Vorkehrungen – zum Beispiel keinerlei Nutzung und Vermietung von Räumen, die als Fluchtwege benötigt werden“, teilt das Rathaus mit.

In der dritten Etage lebt seit einem Jahr eine fünfköpfige Familie aus Kawarna in Bulgarien in einem Zimmer, vielleicht 20 Quadratmeter groß. Es dient nicht nur als Küche und Wohnzimmer, sondern auch als Schlafzimmer für die Mutter (36), den Vater (39), einen Sohn (11) und zwei Töchter(12 und 16). Die Zwölfjährige, Milkana, leidet an Epilepsie. 320 Euro zahlen sie nach eigenen Angaben monatlich an den Vermieter. In der Enge wollen sie nun nicht weiter wohnen. Sie hätten eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Aussicht und warteten auf eine Zusage des Jobcenters, sagt Mutter Azize Velikova. Ein Nachbarjunge übersetzt ins Deutsche. Alle verbliebenen Bewohner wollen demnach ausziehen. Sie finden aber nur schwer eine neue Bleibe.

Erik Währum von der Hausverwaltung erklärt, dass man bei der Vermittlung in andere Häuser aus dem eigenen Bestand helfe: „Ein Mitarbeiter hat Wohnungsangebote ausgedruckt. Die können sich dann bewerben.“ Das habe auch schon geklappt.

Währum vermietet im Haus Nummer 34 keine Zimmer mehr. Denn der Plan sei, das Gebäude zu sanieren. Er spricht selbst von einem „desolaten Zustand“ und gibt zu: „Wir hoffen, dass die Mieter so schnell wie möglich ausziehen.“



Karte
zur Startseite

von
erstellt am 05.Aug.2016 | 06:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen